Ich habe Bierfallen gegen die Schnecken in meinem Beet aufgestellt: Als ich morgens nachgezählt habe, habe ich verstanden, warum es plötzlich mehr statt weniger waren

Drei Becher Bier, sorgfältig im Beet vergraben, ein Abend voller Hoffnung auf ein schneckenfreies Gemüsebeet, und am nächsten Morgen: mehr Schleimspuren als je zuvor. Was war da schiefgelaufen? Die Antwort liegt nicht in einem Bastelfehler, sondern in der Biologie der Tiere selbst, die man mit der Falle eigentlich loswerden wollte.

Das Wichtigste

  • Schnecken riechen Bier aus bis zu 200 Metern Entfernung
  • Eine Bierfalle kann mehr Schnecken anlocken als sie fängt
  • Selbst nützliche Helfer wie Igel werden unbeabsichtigt gefährdet

Der Duft, der von weit her lockt

Nacktschnecken riechen besser, als man denkt. Bier hat eine enorm starke Anziehungskraft auf Schnecken, denn die Hefe aus dem Bier können sie aus einer Entfernung von bis zu 200 Metern riechen. Zweihundert Meter, das ist mehr als die Länge von zwei Fußballfeldern hintereinander. Aus genau diesem Radius machen sich die Tiere dann auf den Weg, quer durch Nachbargärten, über Zäune und Hecken hinweg, direkt zu deinem Beet.

Genau das erklärt das morgendliche Zählproblem. Nacktschnecken haben einen unglaublich feinen Geruchssinn, und der Geruch von gärendem Bier und Hefe wirkt auf sie wie ein gigantischer Magnet, sodass man mit der Bierfalle im Garten nicht nur die eigenen Schnecken anzieht, sondern buchstäblich die Schnecken aus den Nachbargärten über den Zaun direkt ins Beet lockt. Man hat also nicht die vorhandene Population bekämpft, sondern eine Einladung an die gesamte Nachbarschaft verschickt, samt Anfahrtsweg.

Und hier kommt der eigentliche Denkfehler ins Spiel: Nicht jede angelockte Schnecke ertrinkt brav im Becherrand. Es ist nicht garantiert, dass die Tiere sich auf direktem Wege zur Bierfalle machen, sie könnten zwischendurch ebenso gut an frischem Gemüse oder zarten Pflänzchen knabbern. Wer eine Bierfalle aufstellt, deckt also gleichzeitig den Tisch für alle, die auf dem Weg dorthin noch Hunger bekommen. Ein wesentlicher Nachteil ist somit, dass die Plage doppelt so groß wird und die Anzahl der Schädlinge im eigenen Garten schnell wächst, weil die hungrigen Nachbarn nach Nahrung im eigenen Gemüsebeet suchen. Kein Wunder also, dass die Zählung am Morgen nach oben statt nach unten zeigte.

Ertrunkene Schnecken sind nicht das einzige Problem

Selbst dort, wo die Falle wie geplant funktioniert, bleibt ein Nebeneffekt, über den selten gesprochen wird. Tödlich für Schnecken ist der Alkohol im Bier, der eine lähmende und entwässernde Wirkung hat, allerdings werden auch andere, meist nützliche Insekten und Säugetiere vom Bier angezogen. Igel etwa, die eigentlich zu den natürlichen Fressfeinden von Schnecken zählen, geraten dabei selbst ins Visier des Alkohols. Igeln bekommt der Genuss überhaupt nicht, sie torkeln betrunken durch den Garten, und wenn sie dann noch betrunkene Schnecken fressen, bekommen sie eine Alkoholvergiftung. Ausgerechnet der Verbündete, den man im Kampf gegen die Schnecken eigentlich bräuchte, wird also mit ins Verderben gezogen.

Ein weiterer Punkt, den kaum jemand auf dem Schirm hat: Nicht jede Schnecke, die in offene Bierfallen fällt, ist ein Schädling. Weinbergschnecken zum Beispiel stehen unter Naturschutz, und wer sie versehentlich in einer ungeschützten Falle ertrinken lässt, bewegt sich rechtlich auf dünnem Eis. Wer geschützte Schnecken nach Bundesartenschutzverordnung, etwa die bekannte Weinbergschnecke, in offenen Bierfallen tötet, riskiert ein Bußgeld von bis zu 65.000 Euro. Ein teures Bier, könnte man sagen, wenn man es nüchtern betrachtet.

Was tatsächlich funktioniert

Britische Forscherinnen der Royal Horticultural Society haben sich die gängigen Hausmittel im Langzeitversuch genauer angeschaut, mit ernüchterndem Ergebnis für viele Klassiker. In einem Langzeitversuch über acht Monate von Februar bis September boten Forscher Schnecken Salat zum Fressen an, geschützt mit Barrieren aus Eierschalen, Rindenmulch, Kies sowie Schafwolle, doch keines dieser Materialien hatte im Versuch eine signifikante Wirkung. Auch Kupferband, oft als todsicherer Trick gehandelt, ist kein Allheilmittel, wirkt aber zumindest bei Topfpflanzen als mechanische Barriere zuverlässiger als organische Streumittel.

Was also stattdessen? Wer keine Lust auf Alkoholvergiftungen bei Igeln und Bußgelder wegen Weinbergschnecken hat, sollte auf mechanische statt geruchliche Methoden setzen. Bewährt haben sich vor allem folgende Ansätze:

  • Schneckenzäune oder Schneckenkragen um einzelne Pflanzen, die das Überklettern physisch verhindern
  • Absammeln am frühen Morgen oder nach Regen, wenn sich die Tiere unter Brettern, Vlies oder Laubhaufen verstecken
  • Regelmäßiges Entfernen von Schneckeneiern aus feuchten, geschützten Erdspalten
  • Ein naturnaher Garten mit Unterschlupf für Igel, Kröten und Vögel, die als natürliche Gegenspieler wirken
  • Angepasstes Gießverhalten, denn trockener Boden erschwert den Schnecken das Vorankommen erheblich

Besonders das Absammeln gilt als mühsam, aber effektiv. Die effektivste und ökologischste Methode ist auch die mühsamste, denn sie heißt Schnecken sammeln: Man geht morgens oder nach dem Regen in den Garten und sammelt die schädlichen Weichtiere auf, die sich in den frühen Morgenstunden oder nach einem Regenguss gerne unter Pflanzenteilen, Laubhaufen, Totholz, Vliesen und Abdeckungen verstecken, also an Orten, die feucht und geschützt sind. Kein Zauber, keine Chemie, nur ein bisschen Frühaufstehen und ein Eimer Salzwasser.

Wer trotzdem nicht ganz auf die Bierfalle verzichten möchte, sollte sie zumindest strategisch platzieren, weit weg vom eigentlichen Beet, eher am Grundstücksrand, wo sie als Frühwarnsystem und nicht als Lockmittel direkt vor der Haustür wirkt. Die eigentliche Frage bleibt aber, ob man wirklich der ganzen Nachbarschaft eine Einladung schicken will, nur um am Ende doch wieder mit dem Eimer durchs nasse Gras zu stapfen.

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