Kaum sind die letzten roten Früchte geerntet, beginnt die eigentliche Arbeit für die Erdbeersaison des nächsten Jahres. Jetzt, im Juli, strecken die Pflanzen lange Ranken aus, an deren Enden kleine Ableger sitzen, die schon bald eigene Wurzeln schlagen. Wer diese Ableger jetzt gezielt einpflanzt, sichert sich für nächstes Jahr kräftige, ertragreiche Stauden, und zwar kostenlos.
Drei Wochen. So lange dauert es ungefähr, bis ein Ableger genug Wurzeln gebildet hat, um von der Mutterpflanze getrennt zu werden. Diese vegetative Vermehrung funktioniert deutlich zuverlässiger als die Aussaat aus Samen, bei der die Nachkommen oft schwächer ausfallen als die Elternpflanze. Erdbeeren, die über Ausläufer vermehrt werden, sind genetisch identisch mit der Mutterpflanze und bringen dieselbe Fruchtqualität hervor.
Das Wichtigste
- Warum die ersten Ableger direkt an der Mutterpflanze die besten Chancen haben
- Welche Methode schneller funktioniert, aber ein hohes Risiko birgt
- Wie ein einfacher Trick die Pflanzenerfolgsquote dramatisch erhöht
Den richtigen Ableger erkennen und vorbereiten
Nicht jeder Trieb an der Ranke eignet sich gleich gut. Am kräftigsten sind meist die ersten beiden Ableger, die direkt an der Mutterpflanze sitzen. Weiter entfernte Ableger an derselben Ranke bekommen weniger Nährstoffe ab und entwickeln sich entsprechend schwächer. Wer die Wahl hat, sollte also die Ableger näher am Stammpflänzchen bevorzugen und die entfernteren Triebe der Ranke einfach abschneiden.
Die Mutterpflanze selbst sollte mindestens zwei, besser drei Jahre alt und im Vorjahr auffällig ertragreich gewesen sein. Krankheiten, Schädlingsbefall oder auffällig kleine Früchte im vergangenen Sommer sind klare Ausschlusskriterien, denn diese Eigenschaften werden mit vererbt. Eine gesunde Auswahl an der Basis erspart später viel Ärger im Beet.
Zwei Wege zur bewurzelten Jungpflanze
Es gibt zwei bewährte Methoden, um aus einem Ableger eine eigenständige Pflanze zu machen. Bei der ersten bleibt der Ableger noch mit der Mutterpflanze verbunden, während er bereits in einem kleinen Topf mit Erde fixiert wird. Dazu einfach einen Blumentopf neben die Mutterpflanze stellen, den Ableger mit einer Halteklammer oder einem kleinen Stein auf der Erde fixieren, sodass der Kontakt zum Boden gehalten wird. Nach etwa drei bis vier Wochen zeigen sich neue Blätter, ein sicheres Zeichen, dass sich Wurzeln gebildet haben. Erst dann wird die Verbindung zur Mutterpflanze durchtrennt.
Die zweite Methode ist etwas direkter: Der Ableger wird sofort von der Ranke abgeschnitten und in feuchte Anzuchterde gesteckt. Diese Variante spart Zeit, birgt aber ein höheres Risiko, dass der junge Trieb welkt, bevor er neue Wurzeln bilden kann. Wer diesen Weg wählt, sollte den Ableger die ersten zwei Wochen an einem schattigen, geschützten Platz halten und die Erde konstant feucht halten, ohne sie zu durchnässen.
Für beide Methoden gilt: Die Erde sollte locker, nährstoffreich und gut durchlässig sein. Reine Blumenerde eignet sich gut, gemischt mit etwas Sand für bessere Drainage. Staunässe ist der häufigste Grund, warum frisch bewurzelte Ableger eingehen, also lieber öfter kleine Wassermengen geben als einmal viel.
Den richtigen Standort für den Neustart wählen
Erdbeeren sind wählerisch, wenn es um ihren Standort geht, vor allem wenn im selben Beet schon Erdbeeren gewachsen sind. Der Boden ermüdet nach zwei bis drei Jahren Erdbeeranbau, Nährstoffe fehlen, und bestimmte bodenbürtige Pilze reichern sich an. Ein Wechsel des Standorts, idealerweise mit vier Jahren Abstand zur letzten Erdbeerkultur, beugt diesem sogenannten Bodenmüdigkeit-Effekt wirksam vor.
Ein sonniger bis halbschattiger Platz mit mindestens sechs Stunden direkter Sonne täglich liefert die besten Voraussetzungen für süße, aromatische Früchte im kommenden Jahr. Der Boden sollte humusreich, leicht sauer und vor allem gut wasserdurchlässig sein, denn nasse Füße mögen Erdbeeren gar nicht. Wer schweren, lehmigen Boden hat, mischt am besten Kompost und etwas Sand unter, bevor die jungen Pflanzen einziehen.
Beim Pflanzabstand lohnt sich Großzügigkeit: 30 bis 40 Zentimeter zwischen den einzelnen Pflanzen und etwa 40 Zentimeter zwischen den Reihen verhindern, dass sich die Blätter später gegenseitig beschatten und die Luftzirkulation leidet, was wiederum Pilzkrankheiten wie Grauschimmel begünstigt. Beim Einsetzen ist entscheidend, dass das Herz der Pflanze, also der Punkt, an dem sich die Blätter treffen, genau auf Höhe der Erdoberfläche sitzt. Zu tief gepflanzt, fault das Herz, zu flach gepflanzt, trocknen die Wurzeln aus.
Pflege in den ersten Wochen nach dem Umzug
Frisch gepflanzte Erdbeer-Ableger brauchen in den ersten zwei bis drei Wochen besondere Aufmerksamkeit, bis sie im neuen Boden richtig angewachsen sind. Regelmäßiges Gießen, besonders bei sommerlicher Hitze, ist in dieser Phase wichtiger als Düngen. Ein leichter Kompostgabe beim Einpflanzen reicht meist völlig aus, um die Pflanzen mit dem Nötigsten zu versorgen, ohne sie mit Nährstoffen zu überfordern.
Blüten, die sich noch im Spätsommer an den jungen Pflanzen zeigen sollten, werden am besten entfernt. Das klingt kontraintuitiv, schont die Pflanze aber und lenkt die Energie in die Wurzel- und Blattbildung statt in eine verfrühte, ohnehin meist magere Fruchtbildung. Erst im nächsten Frühjahr darf die Pflanze zeigen, was sie kann.
Eine Mulchschicht aus Stroh oder Rindenmulch, im Herbst um die jungen Pflanzen gelegt, schützt die Wurzeln vor Frost und hält gleichzeitig Unkraut in Schach. Wer diesen Schritt im September oder Oktober erledigt, hat im Frühjahr deutlich weniger Arbeit und darf sich schon jetzt auf die erste eigene Ernte aus selbst gezogenen Ablegern freuen. Und vielleicht ist genau das der schönste Teil am Gärtnern: die Geduld, die sich am Ende immer auszahlt.