Ich habe einen unglasierten Tonkrug neben meine Tomate eingegraben, nur um Wasser zu sparen: seitdem gieße ich oben gar nicht mehr und die Blätter bleiben endlich trocken

Ein Tontopf im Boden, ein bisschen Wasser hinein, fertig. Das klingt fast zu simpel, um wahr zu sein, doch genau darin liegt der Trick: Wer einen unglasierten Tonkrug neben seine Tomatenpflanze eingräbt, gießt in Wirklichkeit nicht mehr die Erde, sondern befüllt ein unterirdisches Reservoir, das die Wurzeln direkt versorgt. Die Idee dahinter ist so einfach wie genial: Eine mit Wasser gefüllte, unglasierte Tonvase wird direkt in die Erde eingegraben, der Ton ist porös und gibt das Wasser langsam und konstant an die Umgebung ab, genau dorthin, wo die Pflanzenwurzeln sitzen. Kein Schlauch, kein Zeitschaltuhr-Bewässerungssystem, keine Gießkanne, die man täglich schleppen muss.

Das Wichtigste

  • Ein vergrabener Tonkrug versorgt Tomatenwurzeln automatisch genau dann mit Wasser, wenn sie es brauchen — ohne dass du gießen musst
  • Trockene Blätter bedeuten weniger Pilzinfektionen: Ein Detail, das vielen Gärtnern nach Jahren endlich ihre verlorenen Ernten erklärt
  • Selbstgebaut kostet dich die Olla nur ein paar Euro — und funktioniert trotzdem so effektiv wie Bewässerungscomputer für Hunderte Euro

Wie ein Krug aus Ton zur Wasseruhr wird

Das Prinzip dahinter heißt Kapillarwirkung, und es funktioniert fast wie ein Thermostat für Feuchtigkeit. Ist die Erde um die Olla herum trocken, saugt sie das Wasser förmlich aus dem Tonkrug. Ist die Erde nach einem Regenschauer feucht, stoppt der Fluss. Die Pflanzen holen sich also genau dann und genau so viel Wasser, wie sie gerade brauchen. Genauer gesagt regelt die sogenannte Saugspannung des Bodens alles: die Funktionsweise von Ollas hängt mit der Bodenwasserspannung zusammen, die größer ist, je trockener der Boden ist, und nur wenn diese Saugspannung im Substrat größer ist als die des Tongefäßes, verlässt Wasser die Olla. Ein cleveres System also, das sich selbst reguliert, ganz ohne Elektronik.

Der Effekt auf den Wasserverbrauch ist beachtlich. Der Spar-Effekt: Mit Ollas kannst du deinen Wasserverbrauch im Garten um bis zu 50 bis 70 % senken. Andere Quellen bestätigen diese Größenordnung: Verglichen mit der Bewässerung der Gießkanne kann man so bis zu 70 % Wasser einsparen. Bei den aktuellen Sommern mit wochenlangen Hitzeperioden ist das kein Nebeneffekt, sondern ein handfestes Argument für den eigenen Wasserzähler.

Trockene Blätter sind mehr als nur Bequemlichkeit

Wer schon einmal eine Tomatenernte an Kraut- und Braunfäule verloren hat, weiß, wie ärgerlich nasse Blätter sein können. Genau hier liegt der zweite, oft unterschätzte Vorteil der Olla-Methode. Feuchtigkeitsliebende Pilzkrankheiten wie dem Falschen Mehltau oder der Kraut- und Braunfäule wird mit der Bewässerung mit Ollas der Garaus gemacht, da die Blätter der Pflanzen beim Bewässern nicht nass werden. Ein Gartenblog beschreibt es mit einer Präzision, die man sonst selten liest: das hat den eigentlichen Grund, dass beim Gießen keine Erde aufspritzt und die Phytophthora-Sporen nicht so schnell auf die Tomatenblätter gelangen.

Das ist kein theoretischer Vorteil. Tomaten reagieren extrem empfindlich auf Feuchtigkeit an den Blättern, gerade in Kombination mit warmen Nächten, wie sie in den letzten Sommern häufiger vorkamen. Da die Blätter trocken bleiben, ist der Befallsdruck geringer, und pilzliche Erkrankungen treten seltener auf. Wer also klassisch von oben gießt und sich Jahr für Jahr über braune Flecken ärgert, sollte die Ursache nicht nur im Wetter suchen, sondern in der eigenen Gießtechnik.

Ein Nebeneffekt, der selten erwähnt wird, aber die Beetpflege spürbar erleichtert: Schnecken meiden trockene Böden. Durch die Verwendung von Ollas bleibt der Boden um die Pflanzen herum trocken, was Schnecken fernhält. Auch Unkraut hat es schwerer, weil die Erdoberfläche weitestgehend trocken bleibt, sodass Unkraut schwerer keimen kann. Drei Probleme, ein einziger vergrabener Tontopf.

Selbst gebaut statt teuer gekauft

Im Gartencenter kosten fertige Ollas schnell ein kleines Vermögen. Dementsprechend sind sie schlicht zu teuer, 30 Euro und mehr sind keine Seltenheit. Dabei braucht es für die Eigenbau-Version kaum mehr als das, was in jedem Baumarkt in der Blumentopfabteilung liegt:

  • Zwei unglasierte Tontöpfe gleicher oder leicht unterschiedlicher Größe, idealerweise mit 15 bis 20 Zentimeter Durchmesser
  • Wasserfestes, ungiftiges Silikon, etwa Aquariensilikon
  • Eine Tonscherbe oder ein flacher Stein zum Verschließen des Abflusslochs
  • Einen Deckel oder Untersetzer, um die Öffnung oben abzudecken

Wichtig ist dabei nur ein Detail, das gerne übersehen wird: achte unbedingt darauf, dass die Töpfe aus unglasiertem, porösem Ton bestehen, das ist entscheidend für die Wasserabgabe. Ein glasierter Topf sieht zwar hübscher aus, lässt aber kein Wasser durch und wäre für dieses Vorhaben komplett nutzlos.

Beim Eingraben selbst gilt eine einfache Faustregel: grabe im Beet ein Loch, das tief genug ist, um die Olla fast vollständig zu verschlucken, nur die obersten 2 bis 3 Zentimeter des oberen Topfes sollten aus der Erde ragen. So bleibt die Öffnung zugänglich zum Nachfüllen, ohne dass Schmutz oder Laub hineinfällt.

Wie oft muss nachgefüllt werden, und wie viele Ollas braucht eine Tomate?

Eine einzelne Olla reicht selten für ein ganzes Beet, aber für einzelne Tomatenpflanzen ist sie meist ausreichend dimensioniert. Eine Olla mit 12 Zentimeter Innendurchmesser reicht zur Bewässerung von 2 Tomatenpflanzen, wenn diese einen nicht allzu großen Abstand haben. Das Nachfüllintervall hängt stark von der temperatur ab: durch das unterirdische Wasser-Reservoir im Tontopf werden die Tomaten je nach Temperatur etwa 5 Tage lang gleichmäßig mit Wasser versorgt. An Hitzetagen über 30 Grad kann dieses Intervall sich allerdings deutlich verkürzen.

Wer noch etwas nachlegen will, kombiniert die Olla mit einer Mulchschicht. Das schützt den Boden vor dem Austrocknen und man kann damit die Gießintervalle noch weiter vergrößern. Für größere Flächen oder ganze Hochbeete braucht es dagegen mehrere Krüge, denn für große Flächen reicht das Wasser, welches die Tonkrüge aufnehmen können, meist nicht aus.

Am Ende bleibt die Frage, warum diese jahrhundertealte Technik erst jetzt wieder Aufmerksamkeit bekommt, wo Wasserknappheit und heiße Sommer längst zur Realität in deutschen Gärten geworden sind. Vielleicht ist der eingegrabene Tonkrug einfach zu unspektakulär, um als Trend zu gelten, dabei erledigt er im Verborgenen genau das, was moderne Bewässerungscomputer mit viel Technik versprechen: Wasser dort abzugeben, wo es gebraucht wird, und nirgendwo sonst. Der nächste Blick ins Beet könnte also lohnen, nicht auf die Blätter, sondern auf das, was zwischen den Pflanzen im Boden steckt.

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