Während die meisten Hobbygärtner im Februar noch sehnsüchtig auf den Frühling warten, wussten die Gärtnermeister vergangener Zeiten längst: Der Winter ist die perfekte Zeit für eine der wirksamsten und kostengünstigsten Methoden der Rosenvermehrung. Die sogenannte Steckholzvermehrung, die in Deutschland bis Ende des 19. Jahrhunderts weit verbreitet war und heute seltener eingesetzt wird, aber sich noch recht großer Beliebtheit erfreut, erlebt derzeit eine Renaissance bei naturverbundenen Gärtnern.
Diese traditionelle Technik nutzt die Winterruhe der Pflanzen aus, um ausgereiftes Holz zu stecken und sozusagen wieder zum Leben zu erwecken, ganz ohne Blätter. Was unsere Großeltern noch als selbstverständlich betrachteten, erscheint heute vielen Gartenfreunden wie ein vergessenes Geheimnis. Dabei ist gerade der Februar – wenn der Boden frostfrei ist – ein guter Zeitpunkt etwa Mitte/Ende Februar bei frostfreiem Boden für diese bewährte Vermehrungsmethode.
Der Zauber der Wintervermehrung: Warum Februar der ideale Zeitpunkt ist
Die Steckholzvermehrung unterscheidet sich grundlegend von der bekannteren Stecklingsvermehrung im Sommer. Im September bis Oktober werden möglichst lange Triebe der zu vermehrenden Rose-Sorte geschnitten, da das Stecken im Herbst dem Frühling vorzuziehen ist, weil zu diesem Zeitpunkt die Hormonzusammensetzung in den Trieben besser für die Vermehrung und Bewurzelung geeignet ist. Die vorbereiteten Steckhölzer werden dann über Winter gelagert und im Februar bei frostfreiem Boden gesteckt.
Diese Methode nutzt einen entscheidenden Vorteil: Der wichtigste Unterschied ist, dass Steckhölzer überwiegend in der kalten Jahreszeit während der Winterruhe geschnitten und gesteckt werden. Die Pflanzen befinden sich in ihrer natürlichen Ruhephase, alle Energie konzentriert sich auf die Wurzelbildung. Ohne Blätter gibt es keine Verdunstung, die den jungen Stecklingen Kraft rauben würde.
Die Vermehrung durch Steckhölzer ist für viele Rosenarten geeignet, wobei der beste Zeitpunkt dafür im Spätherbst, das heißt Oktober und November liegt. Die eigentliche Pflanzung erfolgt dann im Februar, wenn die Witterung es zulässt. Im Februar wird das Steckholz kontrolliert, ob es immer noch fest in der Erde sitzt, und bei Bedarf werden die Steckhölzer nachgedrückt.
Schritt für Schritt: So gelingt die traditionelle Steckholzvermehrung
Die Vorbereitung der Steckhölzer erfordert Sorgfalt und das richtige Werkzeug. Benutzen Sie zum Schnitt eine scharfe, saubere Rosenschere, da die Triebe für die Steckholzvermehrung gesund und mindestens bleistiftstark sein müssen. Schneiden Sie ein gerades, 20-30 cm langes und etwa bleistiftdickes Triebstück ab, entfernen Sie dann alle Seitentriebe und Blätter, dann schneiden Sie es am unteren Ende, unterhalb eines Auges schräg sowie am oberen Ende, oberhalb eines Auges, gerade ein.
Die Lagerung über Winter ist ein kritischer Punkt für den Erfolg. Bei der Steckholzvermehrung von Rosen wird im Herbst das ausgereifte Holz geschnitten, das eine Länge von 20 Zentimeter und Bleistiftstärke aufweisen sollte, wobei diese Steckhölzer über Winter frostfrei in Folie verpackt werden. Bündeln Sie die Steckhölzer in feuchtem Sand und stellen Sie sie in einen frostfreien Raum – ab März können Sie sie dann in ein Sand-Torf-Gemisch stecken.
Beim Setzen im Februar ist die richtige Technik entscheidend. Nun stecken Sie die Steckhölzer in die Erde, wobei das obere Auge gerade noch zu sehen sein sollte. Der Boden sollte gut vorbereitet sein: Graben Sie den Boden um und mischen Sie etwas Sand beziehungsweise Anzuchterde hinzu, da er nicht zu nährstoffreich sein sollte. Achten Sie darauf, dass die Erde immer feucht ist, und für den Winter sollten Sie die Steckhölzer mit einem Vlies bedecken, um sie vor Frost zu schützen.
Von der Geduld zur Belohnung: Was nach dem Februar passiert
Die Zeit nach dem Setzen erfordert Geduld und aufmerksame Pflege. Sollten nach dem Stecken starke Fröste auftreten, müssen Sie die Steckhölzer nach dem Frost nachdrücken, da es möglich ist, dass die Schnittstellen der Steckhölzer durch Hochfrieren den Kontakt zum Boden verloren haben. Vor allem im Zeitraum von Februar bis Mai muss bei Trockenheit gewässert werden.
Die erste sichtbare Belohnung zeigt sich meist erst im Frühjahr. Im darauffolgenden Februar oder März können Sie die Rose dann oberhalb des oberen T-Schnittes abschneiden, danach sollte sie anfangen zu wachsen. Im Frühjahr zeigt sich, welche Steckhölzer austreiben – ein Jahr später können Sie die jungen Rosen an Ihren endgültigen Standort verpflanzen.
Für optimale Entwicklung ist ein gestaffeltes Vorgehen empfehlenswert. Die jungen Pflänzchen werden im Februar gerodet und verpflanzt, wobei die Triebe bis auf 2 Knospen oder Knospenpaare zurückgeschnitten und die Wurzeln leicht eingekürzt werden. Um kräftige Pflanzen zu erreichen, sollten Sie die Gehölze nicht sofort an den endgültigen Standort setzen, sondern ein weiteres Kulturjahr anschließen, wobei im Februar die Triebe bis auf 2 Knospen oder Knospenpaare zurückgeschnitten werden.
Warum diese alte Methode heute wieder aktuell ist
In Zeiten steigender Pflanzenpreise und wachsendem Umweltbewusstsein gewinnt die Steckholzvermehrung neue Relevanz. Sie ermöglicht es, aus einer einzigen Rosenpflanze mehrere identische Exemplare zu ziehen, ohne teure Neukäufe oder chemische Bewurzelungsmittel. Besonders wertvoll wird diese Methode bei seltenen Sorten oder Familienerbstücken im Garten, die man unbedingt erhalten möchte.
Die Steckholzvermehrung erzeugt wurzelechte Rosen, da diese Art der Vermehrung vegetativ ist und neue Pflanzen derselben Sorte entstehen, die dieselben Eigenschaften wie die Mutterpflanze haben. Im Gegensatz zu veredelten Rosen wurde also keine Wildrosenunterlage genutzt um eine Pflanze der gewünschten Sorte zu erhalten, wodurch sich an wurzelechten Rosen auch keine Wildtriebe bilden können.
Moderne Gärtner schätzen zudem die Nachhaltigkeit dieser Methode. Während kommerzielle Rosenzüchtungen oft auf komplexe Veredelungsverfahren angewiesen sind, bietet die Steckholzvermehrung einen direkten, naturnahen Weg zur Rosenvermehrung. Sie verbindet uns mit den bewährten Praktiken unserer gärtnerischen Vorfahren und beweist, dass manchmal die einfachsten Methoden die wirksamsten sind. Der Februar wird so vom stillen Wartemonat zum aufregenden Start in ein neues Rosenjahr.