Zimmerpflanzen richtig gießen: Von unten für gesunde Wurzeln

Wer schon einmal eine Zimmerpflanze durch zu viel Wasser verloren hat, kennt das Gefühl. Die Blätter hängen, die Erde riecht nach Moder, und dabei wollte man doch nur Gutes tun. Gießen von unten, auch als „Bottom Watering” bekannt, dreht den Spieß um:
Die Pflanzenwurzeln saugen sich genau die Menge Wasser, die sie brauchen, und überschüssiges bleibt im Untersetzer.
So einfach ist das Prinzip. Ob es für jede Pflanze und jede Situation passt, ist eine andere Frage.

Warum überhaupt von unten gießen?

Wenn du deine Pflanzen von unten gießt, wirkt die Erde im Pflanztopf wie ein Schwamm. Sie saugt sich mit so viel Wasser voll, wie sie aufnehmen kann.
Klingt banal, hat aber direkte Auswirkungen auf die Pflanzengesundheit.
Der wichtigste Vorteil: Die Erde nimmt sich nur so viel Wasser, wie sie tatsächlich speichern kann. Sofern man die Anleitung befolgt, ist es also praktisch unmöglich, eine Pflanze zu übergießen.

Ein weiterer Vorteil liegt darin, dass die oberste Erdschicht nicht so nass wird, wie sie das beim normalen Gießen tut. Dadurch trocknet sie natürlich schneller wieder aus. Und das wiederum hilft, lästige kleine schwarze Fliegen (Trauermücken) und Schimmel auf der Erde vorzubeugen.
Wer im Sommer schon mal erlebt hat, wie sich Trauermücken in der Fensterbank ausbreiten, weiß, wie lästig das ist.

Ein oft übersehener Bonus:
Die Blätter bleiben trocken, was Blattkrankheiten vorbeugt, ein echter Vorteil, wenn du Pflanzen in feuchten Räumen wie dem Bad hast.
Im Vergleich dazu führt Gießen von oben regelmäßig dazu, dass das Laub nass wird und empfindliche Arten mit Flecken oder Fäule reagieren.

Allerdings ist das Bild nicht vollständig ohne einen wichtigen Hinweis:
Da Nährsalze bei dieser Methode nicht durch das Gießwasser nach unten gespült werden, kann es dabei zu weißen Ablagerungen an der Substratoberfläche kommen.
Wer also ausschließlich von unten gießt, sollte
etwa einmal im Monat von oben gießen, um alles auszubalancieren.

Für welche Zimmerpflanzen eignet sich die Methode?

Besonders gut lassen sich kleine Zimmerpflanzen von unten gießen, da du sie leicht bewegen kannst. Zimmerpflanzen, die es nicht mögen, wenn ihre Blätter nass werden, bevorzugen diese Gießtechnik besonders. Dazu zählen Usambara-Veilchen, Alpenveilchen, Sukkulenten, Begonien, Bubiköpfchen und Amaryllis, aber auch Basilikum.

Besonders toll funktioniert es bei Sukkulenten in kleinen Töpfen, da ihre Erde gerne fast komplett austrocknet und so das Wasser gut ziehen kann. Auch bei anderen Pflanzen für wenig Wasser funktioniert das gut, weil du durch Bottom Watering sichergehst, dass alle Wurzeln genug Wasser kriegen und du den Erdballen dann wieder austrocknen lassen kannst.

Weniger gut funktioniert die Methode hingegen bei bestimmten Pflanzengruppen und Topfgrößen.
Nicht gut funktioniert Bottom Watering bei sehr großen Pflanzen. Sie müsste man in ein ziemlich großes Gefäß (zum Beispiel die Badewanne) stellen, damit sie genug Kraft haben, das Wasser bis oben in den Topf zu transportieren.
Ein weiterer wichtiger Punkt, den viele übersehen:
Frisch umgetopfte Zimmerpflanzen dürfen im ersten Monat nur von oben gegossen werden. Ihre Wurzeln haben sich noch nicht richtig ausgebildet und erreichen das Wasser, das von unten aufsteigt, nicht.

Auch das Substrat spielt eine entscheidende Rolle.
Lockeres Substrat, wie bei Orchideen, oder normale Blumenerde funktioniert super, aber sehr dichte Erde kann das Wasser schlecht aufnehmen.
Wer Zimmerpflanzen in kompakter, schwerer Erde hält, wird merken, dass das Wasser kaum nach oben zieht. Ein Zeichen, dass entweder das Substrat ausgetauscht oder auf eine andere Methode gewechselt werden sollte. Mehr zu den verschiedenen zimmerpflanzen gießmethoden und ihrer Eignung findest du im großen Überblick.

Schritt-für-Schritt: So funktioniert das Gießen von unten

Vorbereitung und Ablauf

Bevor du anfängst, prüfe zwei Grundvoraussetzungen. Erstens:
Der Blumentopf muss unten ein Abflussloch haben, durch das das Wasser in den Topf aufsteigen kann.
Ein Topf ohne Drainageloch kann nicht von unten gegossen werden. Zweitens: Die Erde sollte tatsächlich trocken genug sein.
Drücke den Daumen oder den Zeigefinger auf die Pflanzerde. Wenn er sich trocken anfühlt, muss die Pflanze gegossen werden.

Der eigentliche Ablauf ist denkbar unkompliziert:

  • Fülle in den Untersetzer der Pflanze so viel Wasser, dass es etwa zwei Zentimeter hoch steht. Warte, bis die Erde so viel Wasser aufgesaugt hat, wie sie aufnehmen kann.
  • Alternativ den Topf direkt in ein größeres Gefäß oder die Badewanne stellen, falls die Pflanze intensiver getränkt werden soll.
  • Die Pflanze dann 20 bis 30 Minuten stehen lassen, je nach Größe und Durst. Danach den Topf herausheben und gut abtropfen lassen. Das ist wichtig, damit keine Wurzelfäule entsteht.

Wie lange im Wasser lassen?

Die Faustregel lautet:
nach 20 bis 60 Minuten sollte die Pflanze raus, damit die Wurzeln atmen können.
Für kleine Töpfe reichen oft 15 bis 20 Minuten. Um zu prüfen, ob das Substrat genug Feuchtigkeit gezogen hat, gibt es einen verlässlichen Test:
Überprüfe, ob das Substrat genug Wasser aufgesaugt hat. Dafür nimmst du die Pflanze aus dem Kulturtopf und schaust dir den Wurzelballen an. Ca. 3/4 des Wurzelballens sollten feucht sein.

Ein einfaches Alltagszeichen:
Beim Gießen von unten zieht die Feuchtigkeit von den Wurzeln hoch, und die oberste Schicht bleibt oft trocken. Das ist sogar ein Vorteil, weil es Schimmel vorbeugt.
Wer erwartet, dass die Oberfläche nach dem Wässern durchnässt wirkt wie nach dem Gießen von oben, wird sich wundern. Das ist kein Fehler, sondern gewollt.

Wann ist von unten gießen die bessere Wahl?

Drei Situationen, in denen die Methode klar überlegen ist. Wenn die Erde vollständig ausgetrocknet und hart geworden ist, läuft Wasser von oben oft an der Erde vorbei, ohne wirklich einzudringen.
Eine weitere Möglichkeit, die sich vor allem auch bei ausgetrocknetem Substrat anbietet, ist das Tauchen von Zimmerpflanzen. Hierbei stellt man die Pflanze samt Innentopf in einen Eimer mit Wasser und wartet, bis keine Bläschen mehr aufsteigen. Hebe die Zimmerpflanze wieder heraus und lasse die Erde gut abtropfen.

Bei Pflanzen mit dichtem, bodennahem Blattwerk funktioniert Gießen von oben oft schlicht nicht:
Die Methode ist auch genial, wenn du bei deiner Pflanze fast nicht an die Erde kommst, weil sie so breit oder buschig gewachsen ist. Das passiert zum Beispiel manchmal bei der Aloe vera, der Sansevieria oder anderen Sukkulenten.

Beim Thema Schimmelprävention punktet Bottom Watering ebenfalls.
Das Gießen von oben führt dazu, dass die Oberfläche immer nass ist und somit leichter Probleme durch Schimmelbildung oder einen Befall von Trauermücken entstehen.
Gerade in schlecht belüfteten Räumen oder in den Wintermonaten, wenn die Heizungsluft zirkuliert und die Erde ohnehin langsamer trocknet, ist das ein ernstes Argument.

Fehler, die du unbedingt vermeiden solltest

Der häufigste Fehler: die Pflanze zu lang im Wasser stehen lassen.
Wenn du den Topf zu lange im Wasser stehen lässt oder das Abtropfen vergisst, wird die Erde matschig, und Wurzelfäule droht. Halte dich an die 30-Minuten-Regel und schau, dass überschüssiges Wasser wegkommt.

Der zweite kritische Punkt: abgestandenes Wasser im Untersetzer.
Dauerhaft stehendes Wasser im Untersetzer ist nicht unbedenklich, sondern fördert Staunässe und Wurzelprobleme.
Nach dem Gießen bleibt Wasser im Untersetzer? Sofort ausleeren. Zehn Minuten Geduld jetzt können eine Pflanze retten. Schimmlige Erde, gelbe Blätter, muffiger Geruch: Das sind die untrüglichen Zeichen, dass zu viel Nässe zu lange stand.

Und noch etwas:
Wenn du mehrere Pflanzen mit dem gleichen Gefäß wässerst, könnten sich Schädlinge übertragen.
Wer also eine große Schüssel für mehrere Töpfe nutzt, riskiert, potenzielle Schädlinge zu verbreiten. Separate Schalen oder regelmäßiges Auswechseln des Wassers sind die sicherere Variante.

Düngen beim Gießen von unten: geht das?

Ja, aber mit Einschränkungen.
Das Eintauchen ist in dieser Hinsicht etwas effektiver, da sich die Substanzen im Wasser besser auflösen. Der Vorteil des Gießens auf einen Untersetzer ist, dass man leicht sehen kann, ob man genug gegossen hat.
Flüssigdünger kann dem Wasser im Untersetzer beigegeben werden, bei der richtigen Konzentration nimmt die Pflanze ihn über die Wurzeln auf. Der Nachteil: Nährsalze werden nicht ausgespült, weshalb sich Ablagerungen im Substrat ansammeln können. Eine Lösung:
Wenn du deine Pflanzen ausschließlich über den Untersetzer gießt, werden Salze in der Erde nicht ausgewaschen. Du solltest deine Pflanzen daher gelegentlich von oben gießen.

Gießen von unten vs. Tauchen: zwei Methoden, ein Ziel

Beide Methoden arbeiten nach demselben Kapillarprinzip, unterscheiden sich aber in Intensität und Aufwand. Beim Tauchen wird die ganze Pflanze mitsamt Innentopf in ein Wasserbad getaucht und bleibt dort, bis keine Luftblasen mehr aufsteigen. Das Ergebnis ist eine vollständige Durchfeuchtung des Wurzelballens. Das klassische Gießen von unten über den Untersetzer hingegen ist schonender, alltauglicher und eignet sich für regelmäßige Bewässerungsroutinen. Das Tauchen empfiehlt sich besonders dann, wenn das Substrat stark ausgetrocknet ist oder wenn man nach einer Urlaubsabwesenheit die Pflanze gründlich versorgen möchte. Alles zu Vor- und Nachteilen der Tauch-Methode, Timing und Risiken findest du im Artikel über zimmerpflanzen tauchen statt gießen.

Wer seinen Pflanzen zusätzlich etwas Gutes tun und gleichzeitig Blätter reinigen möchte, kann auf die Duschmethode zurückgreifen. Diese eignet sich besonders gut für robustere Arten mit abwaschbaren Blättern. Mehr dazu im Ratgeber zum Thema zimmerpflanzen mit dusche gießen. Und wer einen vollständigen Überblick über alle relevanten Pflegefragen sucht, findet ihn im umfassenden Leitfaden zur zimmerpflanzen pflege arten giessen.

Fazit: Gießen von unten als smarte Alltagsroutine

Bottom Watering ist kein Hexenwerk und kein Modetrend, sondern eine Gießmethode, die auf solider Pflanzenphysiologie beruht.
Ein wesentlicher Pluspunkt ist, dass sich die Feuchtigkeit gleichmäßig im Substrat verteilt. Besonders bei Zimmerpflanzen mit dichtem Wurzelwerk, wie Orchideen oder Sukkulenten, sorgt das für gesunde Wurzeln und kräftiges Wachstum.
Kombiniert mit gelegentlichem Gießen von oben zum Ausspülen von Salzen bietet die Methode ein ausgewogenes System für den Pflanzenalltag.

Die wichtigsten Punkte für den Einstieg: Topf mit Abflussloch, Wasser zwei Zentimeter hoch in den Untersetzer, nach 20 bis 30 Minuten herausnehmen und abtropfen lassen, restliches Wasser entfernen. Klingt simpel? Ist es auch. Der entscheidende Unterschied liegt im Detail: dem Abtropfen lassen und dem Nicht-Stehenlassen. Wer das konsequent umsetzt, wird deutlich weniger Schimmel, deutlich weniger Trauermücken und deutlich gesündere Wurzeln erleben.

Die spannende Frage für erfahrene Pflanzenliebhaber lautet: Welche Kombination aus Substrat, Drainage und Gießmethode passt optimal zur eigenen Sammlung? Die Antwort darauf ist so individuell wie die Pflanzen selbst.

FAQ: Häufige Fragen zum Thema Zimmerpflanzen von unten gießen

Was versteht man unter Gießen von unten bei Zimmerpflanzen?

Das Wasser wird in den Blumentopfuntersetzer oder in den Übertopf gegeben. So werden die Blumen aufgrund der Kapillarwirkung ausreichend mit Wasser versorgt.
Das Substrat saugt die Feuchtigkeit von unten nach oben, ohne dass die Erdoberfläche oder die Blätter nass werden.

Welche Pflanzen sollte man besser von unten gießen?

Diese Gießmethode ist vor allem für Gewächse mit empfindlichem und dichtem Blattwerk wie zum Beispiel für den Bubikopf geeignet.
Auch Sukkulenten, Alpenveilchen, Usambara-Veilchen, Begonien und Orchideen profitieren von dieser Methode.

Wie lange lässt man Zimmerpflanzen im Wasser stehen?
In der Regel 20 bis 30 Minuten.
Lass die Pflanze nicht ewig im Wasser stehen. Wenn die oberste Erdschicht feucht ist, ist Schluss, sonst droht doch Staunässe. Gieß das Restwasser aus dem Untersetzer weg, damit die Wurzeln nicht faulen.

Kann Gießen von unten Wurzelfäule verursachen?
Prinzipiell nein, wenn die Methode korrekt angewandt wird.
Beim Gießen von unten schützt die Erde vor Staunässe, die oft zu Wurzelfäule führt.
Das Risiko entsteht erst, wenn die Pflanze zu lange im Wasser verbleibt oder das überschüssige Wasser im Untersetzer nicht entfernt wird.

Wie unterscheidet sich Gießen von unten vom Tauchen?
Beim klassischen Gießen von unten steht der Topf in einem flachen Wasserbad (2 bis 3 cm). Beim Tauchen hingegen
stellt man die Pflanze samt Innentopf in einen Eimer mit Wasser und wartet, bis keine Bläschen mehr aufsteigen.
Das Tauchen ist intensiver und eignet sich besonders für stark ausgetrocknete Erde oder als gelegentliche Tiefenpflege.

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