Regenwasser für Zimmerpflanzen: Das perfekte Gießwasser

Orchideen, die verstaubt und kränkeln. Farne mit braunen Blattspitzen. Azaleen, die trotz regelmäßigem Gießen nicht blühen wollen. Oft steckt die Lösung nicht in einem neuen Dünger oder einem anderen Topf, sondern schlicht im Wasser selbst. Regenwasser für Zimmerpflanzen zu nutzen ist eine Rückkehr zum Naheliegenden – und gleichzeitig eine der wirkungsvollsten Maßnahmen, die du für deine grünen Mitbewohner tun kannst.

Warum Regenwasser für Zimmerpflanzen wirklich besser ist

Was Leitungswasser anrichtet – und was Regen anders macht

Regenwasser ist von Natur aus sehr weiches Wasser. Im Gegensatz zum Leitungswasser ist es vollkommen kalkfrei.
Das klingt simpel, hat aber weitreichende Folgen für den Topf auf deiner Fensterbank.
An den Stellen, an denen hartes Wasser auf den Blättern von Zierpflanzen trocknet, entstehen Kalkflecken. Lagert sich Kalk in der Erde an, kann dies kalkempfindliche Pflanzen schädigen.
Wer das einmal bei einer Gardenie erlebt hat, denkt zweimal nach, bevor er wieder zur Gießkanne mit Leitungswasser greift.

Durch die minimale Wasserhärte, den geringen Mineralgehalt und das Fehlen von Zusätzen wie Fluor oder Chlor bleibt der pH-Wert des Bodens im Lot, ganz ohne aufwändige Verbesserungsmaßnahmen.

In einigen Ländern wird das Leitungswasser mit Chlor behandelt, um Bakterien und andere Verunreinigungen abzutöten. Dieses Chlor tötet aber auch die unbedingt notwendigen Bodenbakterien.
Das ist der stille Schaden, den man nicht sofort sieht, der sich aber über Monate im Topfsubstrat aufbaut.

Warum Pflanzen nach dem Regen so anders aussehen

Ein Grund, warum Pflanzen nach dem Regen besonders gesund aussehen, ist der Stickstoff. Stickstoff findet sich in der Atmosphäre in größerer Menge und fällt mit dem Regen in zugänglicher Form herunter. Im Anschluss kann der Nährstoff von den Pflanzen aufgenommen werden.

Regenwasser beinhaltet auch viel Sauerstoff, der sich dann in der Wurzelzone anreichert. Zudem finden sich darin Kohlendioxid, Mangan, Zink, Eisen und Kupfer, die Pflanzen guttun.

Auch die Salzablagerungen, die sich mit der Zeit im Topfsubstrat ansammeln, werden durch kalkarmes Regenwasser gelöst und ausgeschwemmt.
Zu solchen Ablagerungen kann es bei Zimmerpflanzen in besonderem Maße kommen. Die Pflanze bleibt für einen langen Zeitraum in derselben Erde oder wird gar nicht umgetopft. Jeder Tropfen Wasser oder Dünger hinterlässt seine Spuren.
Wer das versteht, begreift, warum der Unterschied zwischen Leitungswasser und Regenwasser nach einigen Monaten sichtbar wird.

Für eine ausführlichere Übersicht der verschiedenen Wasserqualitäten und ihrer Wirkung empfiehlt sich der Artikel zu welches wasser für zimmerpflanzen.

Regenwasser sammeln: Möglichkeiten für Garten, Balkon und Stadt

Geeignete Sammelmethoden je nach Wohnsituation

Die klassischste Lösung für Gartenbesitzer bleibt die Regentonne unter der Dachrinne.
Dabei kommt meistens nur dann eine ausreichend große Menge zusammen, wenn die Sammlung über ein Dach erfolgt. Dort treffen bei Regen unendlich viele Tropfen auf und fließen in eine Dachrinne. Von dort geht es dann über ein Fallrohr in den Abwasserkanal. Zapft man dieses Fallrohr jedoch an und leitet das Wasser in eine Regentonne oder einen Container um, lässt sich alsbald mit Regenwasser gießen.

Um das Fallrohr anzapfen zu können, benötigt man lediglich einen sogenannten Regendieb, der sich leicht in das Rohr integrieren lässt und wie eine Art Weiche funktioniert.

Auf dem Balkon ist das Sammeln grundsätzlich machbar, erfordert aber ein bisschen mehr Planung.
Auch auf Balkon und Terrasse kann Regenwasser mithilfe einer Regentonne gesammelt werden. Allerdings muss dabei unbedingt auf das Gewicht der Tonne und die Traglast des Balkons geachtet werden, damit es nicht zu schwerwiegenden Schäden kommt.
Wer in einem Mietshaus wohnt, sollte noch einen weiteren Punkt bedenken:
Wenn ein Regensammler-System in einem Mietshaus installiert werden soll, braucht es die Erlaubnis des Vermieters. Ansonsten droht eine Abmahnung.

Stadtbewohner ohne Dachzugang können kreativ werden.
Alternativen, die auch auf dem Balkon nutzbar sind: Planen oder große Trichter, die das Regenwasser in einen Behälter weiterleiten. Auf einem Grundstück bietet es sich zudem an, mehrere große Wannen und Eimer aufzustellen, um zumindest ein wenig Gießwasser zu sammeln.
Im Winter gilt:
Schnee kann ebenfalls gesammelt werden. Schnee ist auch nichts anderes als Regenwasser, hat jedoch deutlich mehr Volumen.

Achte jedoch darauf, keinen Schnee von Flächen zu sammeln, die im Winter gestreut werden.

Rechtliche Lage in Deutschland

Eine oft gestellte Frage – und häufig falsch beantwortet.
Es gibt kein grundsätzliches Verbot für das Sammeln von Regenwasser, jedoch gelten bestimmte Regelungen und Einschränkungen je nach Bundesland, Kommune oder Nutzungskontext.
Für die Nutzung zum Pflanzengießen, also für den Anwendungsfall, der uns hier interessiert, ist die Lage klar.
Grundsätzlich dürfen Hausbesitzer Regenwasser auf ihrem Grundstück sammeln und für private Zwecke wie die Gartenbewässerung nutzen. In diesen Fällen ist das Sammeln von Regenwasser erlaubt und wird sogar empfohlen.

Anders sieht es bei größeren Anlagen aus:
Generell ist das Sammeln erlaubt. Wer jedoch eine Zisterne oder einen großen Wassertank nutzt, benötigt hierfür eine Genehmigung. Zudem unterliegt deren Installation lokalen Vorschriften.

Regenwasser ist zur Trinkwassernutzung in Deutschland nicht erlaubt. Es muss durch ein Leitungssystem geführt werden, das von der Trinkwasserleitung getrennt ist.
Für unsere Zimmerpflanzen spielt das keine Rolle – wir wollen gießen, nicht trinken.

Regenwasser lagern: So bleibt es frisch und sicher

Der richtige Behälter und Standort

Hier entscheidet sich, ob das gesammelte Wasser nach zwei Wochen noch brauchbar ist oder als übelriechendes Algenwasser endet. Die Grundregel lautet: kein Licht, keine Wärme.
Damit das Nass vom Himmel für die Bewässerung möglichst lange frisch und frei von Algen bleibt, sollte der Tank möglichst nicht in der Sonne stehen und überhaupt vor Licht geschützt werden.

Algen gehören mit zu den größten Problemen bei der Wasserlagerung. Algen wachsen allerdings nur, wenn sie genügend Licht bekommen.
Wer seine Regentonne direkt in der prallen Sommersonne aufstellt, darf sich nicht wundern, wenn das Wasser schon nach zehn Tagen grün schimmert.
Wähle eine Regentonne aus dunklem Material, das das Licht absorbiert, und verwende immer einen Deckel, um das Eindringen von Licht, Laub und Schmutz zu verhindern.

Für Zimmerpflanzen reicht in der Praxis oft eine einfache Lösung: Wasser in dunkle, verschlossene Behälter (Kanister, Eimer mit Deckel) umfüllen und an einem kühlen, lichtgeschützten Ort im Haus lagern.
Im Spätherbst, bevor die Regentonne zufriert, kann im Haus ein kleines Regenwasser-Reservoir angelegt werden. Gefüllte Gießkannen lassen sich einfach im Heizungskeller lagern.

Mücken, Algen und Schimmel wirksam vorbeugen

Stehendes Wasser und Mücken – ein klassisches Problem.
Das Wasser in der Regentonne gefällt Insekten gut: Stechmücken brauchen zur Ablage der Eier stehendes Wasser. Ein Mückenweibchen kann bis zu 300 Eier legen, die nach nur zehn bis vierzehn Tagen schlüpfen.
Abdecken ist die einfachste Lösung.
In eine vollständig abgedeckte Regentonne können Mücken keine Eier legen. Dabei darf das Fallrohr nicht vergessen werden. Zum Abdecken eignet sich ein Regentonnennetz, ein Fliegengitter oder ein passender Deckel.

Wenn Mückenlarven dennoch auftauchen, gibt es eine biologisch unbedenkliche Lösung:
Die wohl effektivste Methode zur Bekämpfung der Mückenlarven ist der Einsatz des Bakteriums Bacillus thuringiensis israelensis (Bti). Es ist in der Landwirtschaft weit verbreitet, in Tabletten- und flüssiger Form erhältlich und ungiftig für nützliche Insekten, Menschen und Pflanzen.

Zur Algenprophylaxe empfiehlt sich außerdem eine regelmäßige Reinigung:
Regelmäßiges Entfernen von Ablagerungen und Schmutzpartikeln schränkt das Algenwachstum ein. Als Richtwert sollte die Regentonne mindestens zweimal jährlich gründlich gereinigt werden; dies hilft auch gegen Mückenlarven.
Hartnäckige Algenablagerungen lassen sich übrigens mit einer einfachen Hausmittelmethode lösen:
Bewährte Hausmittel wie Essig- oder Zitronensäure zeigen gute Effekte gegen Algen. Mische Essig oder Zitronensäure im Verhältnis 1:4 mit Wasser und lasse die Lösung über Nacht einwirken. Spüle die Tonne am nächsten Tag gründlich mit klarem Wasser aus.

Wie Regenwasser richtig bei Zimmerpflanzen eingesetzt wird

Temperatur anpassen – ein unterschätzter Punkt

Kaltes Regenwasser direkt aus der Tonne in den Topf – das klingt nach keinem Problem, ist aber eines.
Das Gießwasser sollte Zimmertemperatur haben, damit die Wurzeln beim Gießen keinen Kälteschock erleiden.

Die Temperatur des Gießwassers ist ein wichtiger Faktor bei der Bewässerung von Zimmerpflanzen. Es ist am besten, Zimmerpflanzen mit Wasser zu gießen, das Raumtemperatur hat. Wasser, das zu kalt oder zu heiß ist, kann den Wurzeln und Blättern von Zimmerpflanzen schaden.

Die Lösung ist denkbar einfach: Regenwasser einfach einen Tag vor dem Gießen ins Zimmer stellen und auf Raumtemperatur kommen lassen.
Das bedeutet, man kann mit Regenwasser Zimmerpflanzen auch besprühen, ohne Kalkflecken auf den Blättern zu riskieren.
Gerade großblättrige Pflanzen wie Monstera oder Philodendron profitieren doppelt davon.

Welche Zimmerpflanzen am meisten profitieren

Den größten Mehrwert bietet Regenwasser bei kalkempfindlichen Pflanzen, zu denen neben Eriken, Magnolien und Rhododendren unter anderem Zimmerpflanzen wie Blaureigen zählen.

Viele Orchideen vertragen beispielsweise kalkarmes Wasser besser als Leitungswasser. Gleiches gilt für einige Farne, Zimmer-Azaleen und Gardenien.

Ein Hinweis für alle, die ihre Zimmerpflanzen in Hydrokultur kultivieren:
Die Verwendung von Regenwasser zur Bewässerung von Pflanzen in Innenräumen, gleichgültig ob Hydrokultur, Seramis oder Torfkultur, ist nicht ganz unkompliziert. Die im Handel angebotenen Düngemittel für Endverbraucher sind für die Kombination mit salzfreiem Gießwasser nicht immer geeignet.
Wer also Hydrokulturpflanzen mit Regenwasser gießt, sollte seine Düngerstrategie entsprechend anpassen. Mehr dazu im Artikel über zimmerpflanzen pflege arten giessen.

Wann man kein Regenwasser verwenden sollte

Risiken: Dach-Material und Schadstoffe

Nicht jedes Regenwasser ist automatisch gleich gut – das hängt stark davon ab, über welche Oberfläche es geflossen ist. Das Umweltbundesamt hat hier eine klare Empfehlung:
„Von Dächern aus Kupfer und Zink können lösliche und unlösliche Metallverbindungen abschwemmen, die schädigend für die Umwelt sind. Bitumenabdichtungen von Dächern mit Teerpappe können Biozide freisetzen. Von einer Regenwassernutzung von diesen Flächen ist abzusehen.”

Auch Betondachpfannen, wenn diese mit Bioziden behandelt sind, sprechen gegen die Nutzung des vom Dach abfließenden Regenwassers.
Wer also weiß, dass sein Dach aus solchen Materialien besteht, sollte lieber auf das direkte Auffangen von Dachwasser verzichten und stattdessen Regenwasser direkt aus der Luft auffangen – also über offene Behälter, die draußen aufgestellt werden.

Beim Ablaufen vom Dach nimmt Regenwasser durch Vogelkot fäkale Bakterien auf. Tote Tiere und abgefallenes Laub auf dem Dach tragen zu weiteren Keimen bei.

Das Umweltbundesamt gibt jedoch Entwarnung zum Keimgehalt in der Regentonne: Dort entwickeln sich nur wenige Keime aus der Umwelt oder von Tierausscheidungen, und auch nur wenige von diesen überstehen die Sonneneinstrahlung oder das Austrocknen.
Für Zimmerpflanzen – also kein Gießen von rohem Salat – ist das Risiko daher vernachlässigbar gering.

Sollte das gesammelte Wasser trotz aller Vorsicht einen unangenehmen Geruch entwickeln:
Bemerkst du bei abgestandenem Regenwasser einen unangenehmen Geruch, ist das Wasser vermutlich mit Bakterien oder anderen Mikroorganismen verunreinigt. In diesem Fall solltest du es nicht mehr zum Gießen verwenden.

Alternativen, wenn kein Regenwasser verfügbar ist

Wer im Hochsommer oder im Winter nicht genug Regenwasser hat, muss nicht auf Leitungswasser ohne Aufbereitung zurückgreifen. Das Leitungswasser vor dem Gießen einige Stunden oder über Nacht offen stehen zu lassen, lässt zumindest das Chlor entweichen. Der Artikel über zimmerpflanzen mit leitungswasser gießen zeigt auf, wann das ausreicht und wann nicht. Für kalkarmes Wasser in Regionen mit hartem Leitungswasser lohnt sich auch ein Blick auf kalk im gießwasser zimmerpflanzen und die dort vorgestellten Methoden zur Kalkreduzierung.

FAQ: Häufige Fragen und hartnäckige Mythen

Mythen und Irrtümer rund um Regenwasser

„Regenwasser ist immer sauber.” Falsch. Frisch gefallener Regen ist zunächst sehr rein, aber sobald er über Dachflächen oder durch Dachrinnen geleitet wird, nimmt er Partikel, organische Stoffe und je nach Dachmaterial auch Schadstoffe auf.
Der Regenwasserfilter fängt lediglich grobe Verschmutzungen auf. Bakterien und gelöste chemische Stoffe sind weiterhin im Wasser enthalten.

„Regenwasser muss immer gefiltert werden.” Für Zimmerpflanzen in der Regel nicht zwingend.
Wer einen Gartenschlauch, ein Sprühgerät oder ein Bewässerungssystem nutzt, sollte einen zusätzlichen Filter in Betracht ziehen
, um Ventile und Leitungen vor Verstopfungen zu schützen. Zum direkten Gießen aus einer sauberen Gießkanne reicht gut lagertes, klares Regenwasser ohne Filterung vollkommen aus.

„Wer Regenwasser verwendet, braucht keinen Dünger.” Das ist leider zu einfach gedacht.
Im Regenwasser finden sich Stoffe, die Pflanzen brauchen, darunter Nährstoffe und Mineralien.
Diese Mengen sind jedoch für dauerhaft im Topf kultivierte Zimmerpflanzen nicht ausreichend. Regelmäßiges Düngen bleibt weiterhin sinnvoll.

Dos and Don’ts im Überblick

  • Tun: Behälter abdecken, um Mücken, Laub und Licht fernzuhalten
  • Tun: Wasser vor dem Gießen auf Zimmertemperatur bringen lassen
  • Tun: Tonne mindestens zweimal jährlich reinigen
  • Lassen: Wasser von Kupfer-, Zink- oder Teerpappendächern sammeln
  • Lassen: Trübes oder übel riechendes Regenwasser verwenden
  • Lassen: Schnee von gestreuten Wegen sammeln

Die gute Nachricht für Stadtbewohner: Auch ohne Garten, ohne Dachrinne und ohne großen Aufwand lässt sich Regenwasser sammeln. Ein offener Eimer auf dem Balkon während eines Regenschauers, das Wasser anschließend in eine dunkle Flasche umgefüllt – fertig.
Pro Jahr fallen in Deutschland durchschnittlich 830 Liter Regen pro Quadratmeter. Diese Niederschlagsmengen lassen sich für die Bewässerung im Garten, im Gewächshaus oder für Zimmerpflanzen nutzen.
Was davon nutzt du bereits?

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