Gelbe Blätter, kaum Wachstum, mattes Grün. Viele Pflanzenbesitzer greifen dann reflexartig zum Dünger aus dem Gartencenter. Dabei liegt die Lösung oft in der Gießkanne selbst, genauer gesagt: in dem, was man dem Wasser beimischt. Profis und erfahrene Pflanzenpfleger wissen: Im Frühling verändert sich der Bedarf der Zimmerpflanzen-giessen-bei-heizungsluft/”>Zimmerpflanzen grundlegend, und das Gießwasser ist dabei das direkteste Werkzeug, das uns zur Verfügung steht.
Das Wichtigste
- Warum Leitungswasser allein nicht ausreicht und welches Wasser Profis wirklich verwenden
- Welche alltäglichen Küchenabfälle sich in flüssiges Gold für Ihre Pflanzen verwandeln
- Das überraschende Detail, das die meisten Pflanzenbesitzer beim Gießen übersehen
Der Frühling ist kein normaler Neustart
Im Frühling erwachen Pflanzen aus der Winterruhe und benötigen mehr Wasser und Nährstoffe für das neue Wachstum. Das klingt simpel, hat aber praktische Konsequenzen, die oft unterschätzt werden. Die Erde im Topf ist nach Monaten mit wenig Licht und gedrosseltem Gießen oft kompakt, leicht ausgelaugt, der pH-Wert verschoben. Wer jetzt einfach häufiger gießt, ohne die Qualität des Wassers zu überdenken, gibt seinen Pflanzen zwar mehr Flüssigkeit, aber nicht unbedingt mehr von dem, was sie wirklich brauchen.
Die Wachstumsphase im Frühjahr bringt erhöhten Bedarf, da die Pflanze mehr Energie zum Wachsen benötigt. Gießen darf man von nun an auch etwas häufiger, denn da es wieder wärmer ist, wird die Pflanze aktiver als im Winter und möchte mehr Feuchtigkeit verdunsten. Dafür braucht sie mehr Wasser. Der entscheidende Unterschied zu anderen Jahreszeiten: Jetzt öffnet sich ein Fenster, in dem Zugaben im Gießwasser besonders wirksam aufgenommen werden.
Das Fundament: Welches Wasser verwenden?
Bevor man überhaupt über Zusätze nachdenkt, lohnt ein Blick auf das Gießwasser selbst. Der Grund, warum man sich über das Gießwasser Gedanken machen sollte, sind die Nährstoffe und der Kalkgehalt im Wasser. In manchen Regionen ist das Leitungswasser sehr kalkhaltig, was den Pflanzen nicht guttut. Durch das Gießen mit kalkhaltigem Wasser kommt es zur Aufkalkung der Erde: Der pH-Wert steigt, wodurch die Nährstoffaufnahme der Pflanzen beeinträchtigt wird. Dies wirkt sich insbesondere auf Zimmerpflanzen aus, da hier die Erde begrenzt ist.
Wirklich optimal ist eigentlich Regenwasser zum Gießen. Wer die Möglichkeit hat, Regenwasser zu sammeln, sollte das nutzen, um seine Pflanzen zu gießen. Wer kein gesammeltes Regenwasser zur Hand hat, kann mit Zitronensäure oder Essig den Kalkgehalt reduzieren: Bereits ein halber Teelöffel auf einen Liter Wasser genügt, um den pH-Wert zu senken und den Kalk zu binden. Wichtig dabei: nicht übertreiben und nur gelegentlich anwenden.
Das Gießwasser sollte Raumtemperatur haben, denn kaltes Wasser kann die Wurzeln schädigen. Ein Detail, das sich im Winter antrainiert und im Frühjahr vergessen wird, wenn man das Wasser direkt aus dem Hahn nimmt.
Was Profis dem Gießwasser beimischen
Flüssigdünger hat den Vorteil, dass er ganz leicht mit dem Gießwasser direkt ins Substrat gegeben werden kann. Flüssigdünger ist besonders dann geeignet, wenn akuter Nährstoffmangel herrscht. Er wird dem Gießwasser beigemischt und erreicht so die Wurzeln der Pflanze schnell und zielgerichtet. Das ist die Standardlösung vieler Fachleute: einfach, kontrollierbar und für fast alle Pflanzen geeignet.
Doch die interessanteren Tipps kommen aus der Küche. Gut geeignet zum Düngen ist das Kochwasser von Kartoffeln oder Gemüse, denn Gemüse enthält viele Nähr- und Mineralstoffe, die an das Kochwasser abgegeben werden und aus ihm einen sehr guten Pflanzendünger machen. Voraussetzung ist immer, dass das Wasser kein Salz enthält und vollständig abgekühlt ist. Da Kartoffeln, aber auch zahlreiche andere Gemüse wie Brokkoli, Blumenkohl oder Spargel viele Nähr- und Mineralstoffe haben und diese beim Kochen ins Wasser abgegeben werden, ist dieses Wasser ein idealer Dünger.
Ein weiterer Geheimtipp, der in vielen Profi-Haushalten seit Jahren Praxis ist: Aquarienwasser erweist sich als unerwartet nützliches Hausmittel zur Düngung von Zimmerpflanzen. Dieses Wasser ist reich an Nährstoffen, die aus Fischexkrementen und Futterresten stammen, und bietet einen natürlichen Dünger, der reich an Stickstoff, Phosphor und Kalium ist. Auch die Besitzer von Aquarien sollten bei dem regelmäßigen Wasserwechsel an ihre grünen Mitbewohner im Haus und Garten denken. Aquarienwasser ist ein wichtiger Lieferant von Kalium und Stickstoff. Das ist Recycling auf einem anderen Niveau.
Und dann ist da noch die Bananenschale, die in jedem Haushalt anfällt und fast überall im Müll landet. Bananenschalen sind ein hervorragender organischer Dünger, der zahlreiche Nährstoffe beinhaltet. Die Schale besteht zu 12 Prozent aus Mineralstoffen und Spurenelementen, wobei Kalium den größten Anteil ausmacht, gefolgt von Magnesium und Phosphor. Eine einfache Methode ist, sie klein zu schneiden und direkt in die Erde einzuarbeiten. Für eine intensivere Wirkung kann man einen Bananenschalen-Tee herstellen: Dazu die Schalen in Wasser einweichen, nach ein paar Tagen abseihen und die Pflanzen mit dem Wasser gießen. Dabei gilt: Ausschließlich Bio-Bananen verwenden, da Bananen aus konventionellem Anbau mit Fungiziden behandelt werden, die sich in der Schale anreichern.
Wann ist Vorsicht geboten?
Eine Faustregel besagt, dass lieber häufiger geringe Düngergaben gegeben werden sollten, als nur ab und an viel Dünger. Wie mit den meisten Dingen im Leben kann man es auch mit dem Düngen übertreiben. Wenn zu viel Dünger in der Erde ist, entzieht das der Pflanze Wasser. Auch kann zu viel vom einen Stoff die Aufnahme eines anderen verhindern.
Beim Kaffeesatz als Gießwasserzusatz gilt ebenfalls Zurückhaltung. Kaffeesatz enthält zwar Stickstoff, Kalium und Phosphor, senkt aber den pH-Wert des Pflanzsubstrats bei regelmäßiger Anwendung herab. Die meisten Zimmerpflanzen vertragen einen niedrigen pH-Wert jedoch nicht. Besser ist es daher, Zimmerpflanzen gelegentlich mit übrig gebliebenem kaltem Kaffee zu gießen, anstatt den Satz direkt in die Erde zu geben. Orchideen und Farne, die feuchtes Regenwaldklima gewohnt sind, nehmen das erfahrungsgemäß besser an als Sukkulenten oder Kakteen.
An den Blatträndern entstehen bei Überdüngung sogenannte “Verbrennungen”: Die Ränder verfärben sich orange, braun oder rot und werden bröckelig. Wer diese Signale rechtzeitig erkennt, spart seiner Pflanze unnötigen Stress, und spart sich selbst die Suche nach einem neuen Exemplar. Wird eine Zimmerpflanze regelmäßig gedüngt, hat genug Licht und Wasser, dann ist sie recht robust gegen Schädlinge. Das ist letztlich das Ziel: keine Wundermittel, sondern eine gut ernährte Pflanze, die ihren Frühling selbst in Gang bringt.
Die eigentliche Frage ist nicht, ob man Dünger kaufen soll oder nicht. Sie lautet: Warum werfen wir eigentlich das Gemüsewasser weg, leeren das Aquarium in den Abfluss und schmeißen die Bananenschale weg, während unsere Monstera im Wohnzimmer auf Nährstoffmangel reagiert? Der Frühling ist der beste Zeitpunkt, das zu ändern.