Der Gärtner-Trick, den alle kennen sollten: Warum das Wasserbad Pflanzen rettet

Wer schon einmal einen erfahrenen Gärtner beim Einpflanzen beobachtet hat, fragt sich meist nach wenigen Minuten: Warum taucht der die Pflanze erst in einen Eimer mit Wasser, bevor sie in die Erde kommt? Keine Eile, keine Abkürzung, einfach warten, bis die letzten Luftblasen aufgestiegen sind. Dahinter steckt kein Aberglaube, sondern eine der wirksamsten Methoden, die man einer Pflanze beim Start ins neue Leben mitgeben kann.

Das Wichtigste

  • Ein uralter Trick, den viele Hobbygärtner übersehen – und genau deshalb ihre Pflanzen verlieren
  • Nicht alle Pflanzen mögen das Wasserbad: Was bei Knollen funktioniert, kann Zwiebeln zerstören
  • Der geheime Zusatz, mit dem manche Gärtner ihre Samen fast magisch schneller zum Keimen bringen

Das Wasserbad: Warum Luftblasen alles erklären

Dass Pflanzen, die mit einem trockenen Wurzelballen eingepflanzt werden, nicht die in sie gesetzten Erwartungen erfüllen können, ist fast logisch. Und trotzdem übergehen die meisten Hobbygärtner diesen Schritt. Die Pflanze landet direkt aus dem Topf in der Grube, wird angegossen, fertig. Was dann folgt, ist oft ein wochenlanges Vor-sich-hin-Welken, eine Art vegetativer Erschöpfung, die viele fälschlicherweise auf schlechten Boden oder falschen Standort schieben.

Der eigentliche Schuldige: ein verklumpter, trockener Wurzelballen, der Wasser schlicht nicht mehr aufnehmen kann. Erde, die zu lange ausgetrocknet war, wird wasserabweisend, fast wie ein Schwamm, den man vergessen hat, anzufeuchten. Obendrauf gießen bringt dann wenig, das Wasser rinnt an der Seite der Pflanzgrube herunter, irgendwo, aber nicht dorthin, wo die Wurzeln es brauchen.

Die Ballen taucht man so lange in Wasser, bis keine Blasen mehr aufsteigen. Dies dauert in der Regel etwa 1 bis 2 Minuten. Diese Blasen sind kein Zufall. Sie zeigen, dass die Erde noch voller Luft ist, Hohlräume, die noch kein Wasser erreicht hat. Erst wenn sie aufhören, hat sich das Substrat vollständig vollgesogen. Für wurzelnackte Gehölze gilt: komplett oder zumindest mit der Wurzel vor der Pflanzung eine Stunde in ein Wasserbad legen. Eine Stunde. Das ist der Zeitraum, den viele nicht aufbringen wollen, und der genau deshalb den Unterschied macht.

Knollen, Samen, Gehölze: Nicht alle brauchen dasselbe Bad

Das Prinzip des Wasserbades gilt, aber nicht für jede Pflanze gleich. Vor allem die Knollen von Anemonen und Ranunkeln sollten vor dem Einpflanzen in Wasser ausreichend gewässert werden. Diese Behandlung bewirkt, dass die Knollen aufquellen und später im Boden schneller Wurzeln schlagen. Ranunkeln oder Anemonen kann man über Nacht in eine Schale mit lauwarmem Wasser legen, mindestens jedoch 3 bis 4 Stunden vor dem Einpflanzen.

Vorsicht dagegen bei Tulpen, Hyazinthen und anderen Blumenzwiebeln: Auf keinen Fall sollten Blumenzwiebeln wie Tulpen, Hyazinthen, Allium oder Kaiserkrone für längere Zeit in Wasser eingeweicht werden. Im Gegenteil: Blumenzwiebeln sollten stets trocken und kühl gelagert werden. Bei zu viel Feuchtigkeit besteht die Gefahr, dass die Zwiebeln schimmeln und nicht richtig austreiben. Das zeigt: Das Wasserbad ist kein Allheilmittel, es braucht Urteilsvermögen.

Beim Saatgut eröffnet sich eine ganz andere Welt. Saatgut benötigt zum Keimen drei grundlegende Faktoren: Wasser, Sauerstoff und Wärme. Der Keimprozess beginnt, sobald Wasser durch die Samenschale dringt und die inneren Gewebe aktiviert. Enzyme werden freigesetzt, die gespeicherte Nährstoffe in verwertbare Energie umwandeln. Bei Bohnen kann sich die Keimzeit durch Einweichen um bis zu 50 % reduzieren. Die Hälfte der Wartezeit einsparen, ohne irgendwelche Hilfsmittel zu kaufen, das ist der grüne Daumen in seiner reinsten Form.

Das Kamillenbad: Wenn einfaches Wasser nicht reicht

Hier wird es interessant, und das ist der Trick, den erfahrene Gärtner nicht immer laut erzählen. Statt reinem Wasser verwenden viele seit Generationen Kamillentee als Einweichbad für Saatgut. Kamillentee eignet sich besonders gut zum Einweichen des Saatguts, weil er eine antibakterielle und fungizide (pilzhemmende) Wirkung hat. Dadurch werden anhaftende Bakterien und Pilze an den Samen reduziert.

Was Wasser allerdings nicht kann: den Samen gleichzeitig desinfizieren. Durch die antibakterielle und fungizide Wirkung der Kamille wird die Bildung von Bakterien und Pilzen vor und während der Keimung reduziert. Nach der Aussaat kann man also mit gesünderen Keimlingen und einer höheren Erfolgsquote rechnen. Kein Chemiecocktail, kein Spezialprodukt, eine Pflanze hilft der anderen. Das hat eine gewisse Schlichtheit, die man mögen muss.

Besonders bei Paprika- und Chilisamen, die sich ja gerne etwas länger mit der Keimung Zeit lassen, beschleunigt das Bad im Kamillentee die Keimung ungemein. Die Einweichzeiten variieren je nach Samengröße: 30 Minuten für Endivie, Feldsalat, Fenchel, Lauch, Mangold, Möhre, Paprika und Tomate; 60 Minuten für Bohne, Chinakohl, Kohlrabi und Radieschen; 120 Minuten für Erbse und Linse. Ein wichtiger Hinweis: Man sollte ausschließlich die Echte Kamille (Matricaria chamomilla) verwenden, da nur sie die gewünschten pilzhemmenden und pflanzenstärkenden Wirkstoffe enthält. Die oft wild wachsende Hundskamille (Anthemis) ist nahezu wirkungslos.

Was nach dem Einpflanzen zählt: Gießen mit Köpfchen

Das Wasserbad vor dem Einpflanzen ist der erste Schritt. Was danach kommt, entscheidet, ob der gute Start auch ein gutes Ende nimmt. Gerade die feinsten Wurzelhaare reagieren extrem empfindlich. Sie sind so dünn wie Haare und zuständig für die Wasseraufnahme. Beim Herausziehen aus dem Topf und Einsetzen in neue Erde reißen viele dieser feinen Wurzeln ab oder werden gequetscht. Die Pflanze steht nach dem Umsetzen wie auf Sparflamme da: geschwächte Wurzeln, hoher Stress, kaum Aufnahmeleistung.

Der beste Zeitpunkt zum Umpflanzen liegt im späten Nachmittag oder frühen Abend. Zu dieser Zeit geht die Sonneneinstrahlung zurück, die Luft wird milder, die Verdunstung sinkt. Die jungen Pflanzen bekommen dann eine ganze Nacht, um sich ohne direkte Sonne zu erholen. Das ist vielleicht der am meisten unterschätzte Tipp überhaupt: nicht mittags, nicht im prallen Juli-Sonnenschein. Abends, wenn der Garten aufatmet.

Beim Gießen danach gilt: Die Erde und die Wurzeln saugen sich durch die Abzugslöcher im Topf von unten mit Wasser voll. Dies ermöglicht der Pflanze, die benötigte Wassermenge selbst zu regulieren und eine Überwässerung zu vermeiden. Wer zudem seinen Töpfen von Zeit zu Zeit ein richtiges Tauchbad gönnt, verhindert, dass die Blätter nass werden, was bei empfindlichen Pflanzen Fäulnis vorbeugt. Zudem trocknet die obere Erdschicht schneller, was die Einnistung von Trauermücken erschwert und Schimmelbildung reduziert.

Und falls man eine bereits vertrocknete Zimmerpflanze retten will? Die Pflanze mitsamt dem Topf in einen mit Wasser gefüllten Eimer stellen. Sollten im Wasser keine Luftblasen mehr aufsteigen, ist das ein Zeichen dafür, dass die Wurzeln und das Substrat genügend Flüssigkeit aufgenommen haben. Dann lässt man abtropfen. Kein Zurückschneiden, keine Panik. Manchmal braucht eine Pflanze einfach eine ehrliche zweite Chance, und zwar von innen nach außen.

Es lohnt sich, einmal darüber nachzudenken, wie viele Pflanzen jährlich in deutschen Gärten und auf Balkonen nicht aus Unwissenheit eingehen, sondern aus zu viel Eile. Das Bad im Eimer kostet zwei Minuten. Oder eine Stunde, wenn man ehrlich ist. Aber was wäre, wenn genau diese Stunde darüber entscheidet, ob eine Pflanze im ersten Sommer blüht, oder still und leise aufgibt?

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