Es steht auf fast jeder Fensterbank in Deutschland, meist kurz nach dem Kauf verschenkt oder vergessen, weil niemand erklärte, was diese Pflanze wirklich kann: Die Flamingoblume (Anthurium) ist eine tropische Zimmerpflanze, die monatelang in voller Blüte steht, und das ohne die exzessive Gießerei, die man ihr so gerne andichtet. Kein Gartencenter stellt sie in die erste Reihe. Schade eigentlich.
Das Wichtigste
- Eine Pflanze, die fast das ganze Jahr blüht – aber kaum jemand kennt ihren Namen
- Weniger Wasser ist mehr: Das größte Missverständnis über tropische Pflanzen gelüftet
- Ein simpler Trick für noch mehr Blüten – und er kostet fast nichts
Eine Pflanze aus dem Regenwald, die Trockenheit erträgt
Die Flamingoblumen gehören zur Familie der Aronstabgewächse und stammen ursprünglich aus den Tropen Mittel- und Südamerikas. Doch dort, wo sie wild wächst, kennt sie auch Trockenphasen, das Klima der Regenwälder ist nicht durchgehend nass, es gibt Rhythmen. Die aus den tropischen Regenwäldern stammende Schönheit überzeugt vor allem durch das sattgrüne Laub und die farbenfrohen Hochblätter, die fälschlicherweise als Blüte bezeichnet werden. Dieser Irrtum ist verbreitet: Was wir als flammend rotes oder zartrosa “Blütenblatt” sehen, ist tatsächlich ein Hochblatt — die eigentliche Blüte ist der kleine Kolben in der Mitte.
Dieser botanische Kunstgriff macht die Anthurie so ungewöhnlich langlebig als Blickfang. Anthurium andraeanum-Hybriden blühen an rund 300 Tagen im Jahr sehr ausdauernd. Dreihundert Tage. Das entspricht fast zehn Monaten, während Tulpen verblühen, Rosen Blattläuse kriegen und der Weihnachtsstern im Januar stirbt. Und dennoch fragt im Gartencenter kaum jemand nach ihr.
Die Anthurie blüht nicht durchgängig. Die Zimmerpflanzen wechseln meistens drei Monate Blüte mit drei Monaten Pause ab, so die Stichting Promotie Anthurium, eine Stiftung von niederländischen Anthuriengärtnern und -züchtern. Das klingt erst enttäuschend, ist aber eigentlich ein Geschenk: Die Pflanze reguliert sich selbst, braucht keine künstlichen Eingriffe, nur ein bisschen Geduld während der Pause.
Gießen: weniger ist wirklich mehr
Hier liegt das größte Missverständnis. Wer tropische Pflanze hört, denkt sofort: viel Wasser. Falsch. Grundsätzlich gilt, dass Anthurien pflegeleicht sind und mäßig gegossen werden müssen. Stehendes Wasser schadet der Pflanze. Wichtig ist, dass die oberste Schicht der Erde etwas antrocknen sollte, bevor erneut Wasser gegeben wird.
Anthurien brauchen im Sommer etwa zweimal pro Woche Wasser, im Winter reicht einmal gießen. Wer also drei Tage vergisst zu gießen, macht keinen Fehler, wer jedoch täglich nach Gewohnheit wässert, riskiert Wurzelfäule. Die Anthurie wird nicht durch Vernachlässigung, sondern durch übertriebene Fürsorge getötet. Ein Detail, das kein Etikett im Blumenladen jemals deutlich genug betont.
Flamingoblumen vertragen keinen Kalk, weshalb entkalktes Wasser oder regenwasser verwendet werden sollte. Wer in einer Hartwater-Region wohnt (und das ist in Deutschland fast überall so), sollte einfach abgestandenes Leitungswasser nehmen oder einen kleinen Vorrat Regenwasser sammeln. Eine leere Konservenbüchse auf dem Balkon reicht.
Der richtige Standort, hell, aber nicht direkt
Flamingoblumen mögen es, ihrer tropischen Herkunft entsprechend, warm und luftfeucht. An einem sonnigen oder halbschattigen Platz ohne direktes Sonnenlicht fühlt sich die Anthurie am wohlsten. Ein Nordfenster ist zu dunkel, ein südseitiger Fensterbrett im Hochsommer zu grell. Das Ostfenster ist ideal: morgens sanftes Licht, den Rest des Tages angenehmer Halbschatten.
Anthurien fühlen sich bei kuscheligen Wohnzimmertemperaturen zwischen 20 und 25 Grad Celsius am wohlsten. Kälter als 16 Grad sollte es die Anthurien in unseren Häusern nie haben. Das macht sie zur perfekten Wohnzimmerpflanze, dort, wo wir uns selbst wohlfühlen, gedeiht sie auch.
Einen Trick wissen erfahrene Anthurien-Liebhaber: Die Kleine Flamingoblume treibt besonders viele Blüten, wenn ihr im Winter eine Ruhepause gegönnt wird. Für etwa vier bis sechs Wochen in einen kühlen Raum mit etwa 16 Grad stellen und das Gießen reduzieren, danach wieder an den gewohnten Standort umstellen. Ein kühles Schlafzimmer oder eine ungeheizte Abstellkammer leisten hier gute Dienste.
Die Kalanchoe: der unscheinbare Konkurrent
Wer eine noch genügsamere Alternative sucht, wird bei der Kalanchoe fündig, eine weitere tropische Pflanze, die in Gartencentern als billiges Mitbringsel verscherbelt wird, obwohl sie botanisch faszinierend ist. Aus dem fernen Madagaskar stammt eine beliebte Zimmerpflanze, die Flammendes Käthchen oder Madagaskarglöckchen als Namen trägt.
Ihr Geheimnis liegt in ihrer Natur: Die Kalanchoe gehört zur Familie der Sukkulenten (Fettpflanzen). Dank ihres Wasserspeichers kann die Pflanze heiße und trockene Perioden, auch im Wohnzimmer, gut überstehen. Die aus Afrika stammende Kalanchoe ist eine Sukkulente mit leuchtenden Blüten in Rot-, Orange-, Rosa- oder Gelbtönen, die monatelang halten können.
Sie gibt viel und verlangt wenig, und damit ist wirklich wenig Wasser gemeint. Die Kalanchoe gehört zu den kräftigen Sukkulenten, die nur wenig Wasser benötigen. Im Durchschnitt reicht es aus, einmal pro Woche zu gießen. Wer sie vergisst? Kein Drama. Kalanchoe blossfeldiana benötigt nur moderate Wassergaben. Im Sommer reicht es, die Pflanze alle zwei Wochen zu gießen, wobei das Substrat zwischen den Wassergaben vollständig austrocknen sollte. Im Winter genügt es, die Pflanze etwa einmal pro Monat zu bewässern. Einmal im Monat. Das schafft man auch im Urlaubsmonat August.
Damit die Kalanchoe nach der Blüte erneut Knospen treibt, braucht sie einen kleinen Trick aus ihrer Evolutionsgeschichte: Alle Kalanchoe sind klassische Kurztagpflanzen. Das bedeutet für den Blütenansatz, dass sie für etwa sechs Wochen ein zeitlich eingeschränktes Lichtangebot benötigen. In der Zeit ab November erhalten die Pflanzen nur 8 bis 9 Stunden Licht bei 15 bis 18 °C. Einfacherweise wird ein Karton über die Zimmerpflanzen gestülpt. Ein Karton. Keine Wachstumslampe, kein Spezialsubstrat, kein Fachwissen.
Zwei tropische Pflanzen, die wochenlang blühen, wenig trinken und kaum klagen, und trotzdem stehen sie im Gartencenter zwischen Begonien und Geranien, ohne dass jemand auf ihre eigentlichen Qualitäten hinweist. Vielleicht liegt es daran, dass Pflanzen, die sich selbst helfen, weniger Zubehör verkaufen. Wer weiß. Die Frage bleibt: Wenn eine Pflanze fast das ganze Jahr blüht und dabei fast keine Aufmerksamkeit verlangt — was hält uns eigentlich noch davon ab, das Wohnzimmer damit zu füllen?
Sources : daswetter.at | richtigpflanzen.de