Jahre lang dasselbe Ritual: frische Erde kaufen, Pflanze umtopfen, zwei Wochen später ein weißer Flaum auf der Oberfläche. Schimmel. Wieder. Der Griff war es, genauer: das Fehlen einer einzigen, simplen Maßnahme beim Umtopfen, die alles verändert. Eine Drainageschicht am Topfboden. Wer sie weglässt, kämpft danach ewig gegen die Konsequenzen.
Das Wichtigste
- Ein winziges Detail beim Umtopfen, das die meisten ignorieren
- Warum Schimmel im Winter besonders tückisch wird
- Der Trick mit dem Vlies, der weniger als 30 Sekunden dauert
Das eigentliche Problem sitzt tiefer als man denkt
Blumenerde schimmelt häufig durch hohe Feuchtigkeit und unzureichende Belüftung, bleibt die oberste Schicht im Blumentopf ständig feucht, entsteht ein idealer Nährboden für Pilze und Schimmel. Wer also fleißig gießt und danach einfach nichts weiter tut, liefert den Schimmelpilzen geradezu das perfekte Zuhause. Und das Tückische: Der sichtbare weiße Flaum ist nur der Fruchtkörper des Pilzes — das Myzel hat in der Regel bereits längst den gesamten Pflanzballen befallen, wenn der Befall entdeckt wird.
Zimmerpflanzen schimmeln im Winter häufiger als im Sommer. Das liegt daran, dass die Bedingungen in der kalten Jahreszeit besonders günstig sind: weniger Licht führt zu geringerem Wasserbedarf, die Erde bleibt länger feucht und wird oft dennoch genauso gegossen wie im Sommer. Kurz: Das Problem ist meist kein böser Schimmelpilz von außen, sondern eine hausgemachte Situation, im wörtlichsten Sinne.
Noch ein Detail, das viele überrascht: Pilze in Blumenerde können bereits im geschlossenen Kunststoffsack entstehen. Die Schimmelbildung wird dort durch Kondenswasserbildung gefördert. Wer also frische Erde kauft und davon ausgeht, sie sei automatisch schimmelfrei, irrt sich manchmal schon beim ersten Griff in die Tüte.
Der eine Griff, den ich jahrelang übersprungen habe
Eine gut funktionierende Drainage ist das Wichtigste, um Topfpflanzen vor Schimmelbefall zu schützen, denn Staunässe mag keine Zimmerpflanze. Klingt banal. Ist es auch, und genau das macht es so frustrierend. Denn wer jeden Frühling umtopft und dabei einfach neue Erde in den alten Topf schüttet, ohne eine Drainageschicht einzubauen, wiederholt denselben Fehler.
Der Griff, den ich meine, ist dieser: vor dem Einsetzen der Pflanze eine Schicht aus Drainagematerial auf den Topfboden legen. Drainagematerialien wie Blähton, Bimsstein oder auch Scherben zerbrochener Tontöpfe werden als unterste Schicht in den Blumentopf gegeben. Sie sorgen dafür, dass überschüssiges Wasser über die Abzugslöcher ablaufen kann. Wasser, das abfließt, kann nicht stauen. Wasser, das nicht staut, kann keinen Schimmel ernähren.
Als nachhaltige Alternative zu Blähton bietet sich Bimsstein an, ein poröses Vulkangestein, das in Deutschland abgebaut wird. Es zeichnet sich durch eine hohe Wasserspeicherfähigkeit und Wasserleitfähigkeit aus und ist somit vorteilhaft für die bedarfsgerechte Wasserversorgung der Pflanzenwurzeln. Die Herstellung von Bimsstein ist zudem umweltfreundlicher im Vergleich zu Blähton. Wer auf Nachhaltigkeit achtet, greift also zum Bimsstein.
Einen weiteren Trick empfiehlt sich beim Aufbau: Die Drainageschicht mit einem Stück Vlies abdecken. Das dient als Schutzbarriere, um zu vermeiden, dass Blumenerde in die Drainageschicht gelangt und dort die Durchlässigkeit vermindert. Zudem hilft es beim Filtern des Wassers. Das klingt nach Aufwand, tatsächlich dauert dieser Schritt weniger als dreißig Sekunden.
Was sonst noch ins Gepäck gehört
Die Drainage allein rettet nicht alles. Wer beim Umtopfen verschimmelte Erde entsorgt, aber die Wurzeln nicht richtig säubert, schleppt das Problem direkt in den neuen Topf. Die gesamte Erde wird entsorgt, gleichzeitig sollte die lockere Erde vom Wurzelballen vorsichtig so weit wie möglich entfernt werden. Restliche Erde lässt sich am besten unter einem sanften Wasserstrahl abspülen. Je mehr alte Erde an den Wurzeln haften bleibt, umso größer ist die Gefahr, dass Schimmelsporen haften bleiben.
Und der Topf selbst? Den Topf gründlich mit einer Essiglösung reinigen (Mischungsverhältnis 1:4, ein Teil Essig zu vier Teilen Wasser). Das hilft, verbleibende Schimmelsporen abzutöten. Wer diesen Schritt überspringt und einen alten Topf direkt wiederverwendet, riskiert einen Neustart mit altem Problem.
Ganz nebenbei hilft auch die Wahl der Erde. Hochwertige Substrate sind krümelig, enthalten organische Materialien wie Holzfaser und sorgen für eine gute Durchlüftung. Billige Blumenerde verdichtet schnell und speichert Wasser. Wer beim Kauf spart, zahlt es mit mehr Pflegeaufwand zurück.
Nach dem Umtopfen: die kleinen Gewohnheiten, die den Unterschied machen
Zwischen den Umtopf-Runden gibt es zwei Dinge, die Schimmel konsequent fernhalten. Erstens: das Gießverhalten überdenken. Die Bewässerung reduzieren, insbesondere wenn die Erde bereits feucht ist. Nur gießen, wenn die oberste Erdschicht trocken ist, um Staunässe zu vermeiden. Die einfachste Prüfmethode: einen Finger zwei Zentimeter tief in die Erde drücken. Feucht? Warten.
Zweitens: die Erde regelmäßig auflockern. Das Auflockern der Blumenerde am Folgetag des Gießens hat sich bewährt. Keine Chemie, und Schimmel war danach keiner mehr zu sehen. Eine alte Gabel aus der Küchenschublade reicht dafür völlig aus. Die Erde hin und wieder mit einer Harke aufzulockern, um sie zu belüften, schadet nie.
Wer zu Hausmitteln greifen möchte, wenn es doch mal zu einem ersten weißen Belag kommt: Zimt besitzt natürliche antimykotische Eigenschaften, eine dünne Schicht auf die Erdoberfläche gestreut wirkt dem Schimmelwachstum entgegen. Kein Wundermittel, aber ein guter erster Schritt, solange der Befall noch oberflächlich ist.
Noch ein Hinweis für alle, die sich fragen, ob das weiße Etwas im Topf überhaupt Schimmel ist: Einen kleinen Teil des Belags mit einem Schutzhandschuh lösen und in der Hand verreiben. Ist der Belag eher hart und krümelig, handelt es sich um Mineralablagerungen, ist er dagegen weich und flaumig, handelt es sich um Schimmelpilze. Kalkablagerungen aus hartem Leitungswasser sehen nämlich täuschend ähnlich aus, sind aber harmlos und lassen sich einfach abschaben.
Die eigentliche Frage, die bleibt: Wie viele Pflanzen haben wir aufgegeben, obwohl eine einzige Handvoll Blähton auf dem Topfboden gereicht hätte?
Sources : t-online.de | balkonania.de