Eine kahle Gartenmauer, grauer Beton oder ein nüchterner Holzzaun: Wer kennt diesen Anblick nicht aus dem eigenen Garten? Die gute Nachricht lautet, dass es nur eine einzige Pflanze braucht, um das innerhalb weniger Wochen radikal zu verändern. In Gärtnereien landet sie derzeit in nahezu jedem Einkaufswagen: der Wilde Wein (Parthenocissus). Pflegeleicht, rasend schnell, winterhart – und jeden Herbst ein Schauspiel wie aus einem toskanischen Landschaftsgemälde.
Das Wichtigste
- Eine einzige Pflanze, die in 6 Wochen Mauern komplett verändert – aber welche versteckt sich dahinter?
- Das Wachstumstempo ist so beeindruckend, dass Gärtnereien sie nicht mehr aus den Regalen bekommen
- Im Oktober offenbart sich ein Geheimnis: Die Farbtransformation, die kaum einer erwartet
Warum ausgerechnet der Wilde Wein?
Der Wilde Wein ist die ideale Kletterpflanze für alle, die schnell und unkompliziert große Flächen begrünen möchten. Mit seinen leuchtend roten Herbstfarben verwandelt er Mauern, Zäune und Pergolen in echte Hingucker. Das klingt nach Werbung, ist aber schlicht die Erfahrung von Gärtnern, die ihn kennen. Neben dem Efeu gilt er als Liebling bei der Fassadenbegrünung, er wächst in Schmuddelecken und am Bundeskanzleramt, schafft Vollbegrünungen und eignet sich sogar für Masten. Hinzu kommen der Verzicht auf Rankhilfen, seine robusten Gesundheitseigenschaften und die rote Herbstfärbung.
Der entscheidende Unterschied zu vielen anderen Kletterpflanzen liegt in seiner Selbstständigkeit. Der Wilde Wein in der Sorte ‘Engelmannii’ ist ein sehr robuster und starkwachsender Kletterer, der mit Hilfe von Haftscheiben auch an glatten Wänden problemlos in die Höhe klettert. Kein Schrauben, kein Spanndraht, kein Rankgitter. Einfach pflanzen und zusehen.
Wachstumstempo? Beeindruckend. Wilder Wein wächst ziemlich zügig und kann in einer Saison bis zu drei Meter an Höhe gewinnen. Da er so schnell wächst, eignet er sich hervorragend, um große Flächen wie Zäune oder Mauern zu bedecken. Zum Vergleich: Eine durchschnittliche Zimmerdecke ist 2,50 Meter hoch. In einer Saison also die komplette Hauswand bis unters Dachfenster.
Was passiert in den ersten sechs Wochen?
Schnell wachsende Kletterpflanzen können eine grüne Wand in 6 bis 10 Wochen bilden. Dann wird ihr Wachstum durch den Rückschnitt stark wachsender Triebe eingeschränkt. Im Fall des Wilden Weins bedeutet das konkret: Wer im April pflanzt, blickt im Juni auf eine Wand, die man kaum wiedererkennt. Helles, frisches Grün breitet sich aus wie ein Teppich in der Vertikalen.
Dabei gibt es eine bemerkenswerte Eigenschaft, die viele unterschätzen: die Herbstverwandlung. Rein optisch überzeugt der Wilde Wein vor allem durch sein schönes Blattwerk, das im Oktober einen unvergleichlich schönen Herbstanblick in leuchtenden Orange- und Rottönen zeigt. Im Sommer grün, im Oktober scharlachrot – das ist keine Pflanze, das ist ein Saisonwechsel-Programm für die eigene Hauswand.
Hinzu kommt ein ökologischer Aspekt, der im Bewusstsein vieler Gartenbesitzer zunehmend wichtiger wird. Die Früchte des Wilden Weins sind eine Nahrungsquelle für Vögel. Die kleinen blauschwarzen Beeren, die sich im Herbst an den Trieben bilden, ziehen Amseln und Meisen an. Der Garten wird zur Futterstation, ohne dass man auch nur einen Finger rühren muss.
Standort und Pflege: Wenig Aufwand, viel Wirkung
In Bezug auf den Standort ist der Wilde Wein sehr anspruchslos: Sonne, Halbschatten oder Schatten – er wächst überall. Das ist einer der Hauptgründe, warum Gärtnereien ihn so bedenkenlos empfehlen. Der Nordwand-Zaun, der schattigen Garagenwand gegenüber, der Sichtschutzzaun auf der Westseite: alles kein Problem.
Wilder Wein sollte unmittelbar nach dem Einpflanzen gegossen werden. Sind die Kletterpflanzen gut am Standort eingewurzelt, ist ein Gießen nur in extrem trockenen Phasen notwendig. : Nach der Anwachsphase läuft er weitgehend allein. Kein wöchentliches Gießen, kein aufwendiges Düngen.
Beim Rückschnitt zeigt sich die gleiche unkomplizierte Natur. Weil er so stark wächst, ist das Schneiden ganz einfach: Man kann eigentlich nichts verkehrt machen, alles wird im Handumdrehen wieder neu wachsen. Der beste Zeitpunkt zum Schneiden ist das Frühjahr. Einmal im Jahr, kurz bevor der Austrieb beginnt, Fenster und Dachrinnen freihalten, fertig. Das ist der gesamte Pflegeaufwand.
Ein Punkt verdient jedoch ehrliche Aufmerksamkeit: Wilder Wein kann Fassaden begrünen, allerdings sollte man beachten, dass seine Haftscheiben Bauschäden verursachen können und nach der Entfernung Rückstände hinterlassen. Wer eine frisch sanierte Putzfassade hat oder plant, die Pflanze irgendwann wieder zu entfernen, sollte lieber ein Rankgitter vorschalten. An soliden Klinkerwänden oder Natursteinfassaden ist das kein Problem.
Clematis als Ergänzung: Das beste aus zwei Welten
Wem das Grün allein nicht genug ist, dem empfehlen viele Gärtner eine Kombination, die sich bewährt hat: Efeu als immergrüne Basis kombiniert mit einer schönen blühenden Pflanze wie der Clematis. Man pflanzt sie in Streifen nebeneinander, um eine ungewollte Ausbreitung zu verhindern. Dasselbe Prinzip funktioniert mit Wildem Wein und Clematis – die eine liefert das schnelle, dichte Grün, die andere die Blütenpracht von Mai bis September.
Die Clematis ist ebenfalls eine sehr gefragte Kletterpflanze, da ihre Vielfalt in der Blüte und in ihren Duftnoten durch die vielen Arten und Sorten sehr breit gefächert ist. Von Weiß über Blau bis Gelb oder Violett reichen dabei die verschiedenen Farben der Blüten. Waldreben wachsen je nach Sorte 1,5 bis 6 Meter pro Jahr – manche Sorten schließen also schnell zur Konkurrenz des Wilden Weins auf.
Die Frage, die am Ende bleibt, ist weniger “Welche Kletterpflanze?” als vielmehr: Wie viel Fassade soll eigentlich grün werden? Der Wilde Wein kann Höhen von bis zu 20 Metern erreichen. Das entspricht einem sechsstöckigen Gebäude. Wer heute eine junge Pflanze setzt, legt damit den Grundstein für etwas, das langfristig das Gesicht des gesamten Hauses verändert – und das in einer Zeit, in der die Fassadenbegrünung nicht mehr nur Ästhetik ist, sondern auch eine Antwort auf Hitzeinseln und schwindende Biodiversität in Städten.
Sources : garten-von-ehren.de | budgetplant.de