Ein heißer Julinachmittag, das Fenster ist offen, ein Glas Limonade steht auf dem Tisch, und dann dieses vertraute Summen. Wespen, Hornissen, Fliegen. Lästiger als jeder Nachbar, hartnäckiger als jedes Werbeangebot. Dabei braucht es keine Chemie, keine klebrigen Fallen und keine panischen Schaufelbewegungen: eine einzige Pflanze auf der Fensterbank kann den Unterschied machen.
Das Wichtigste
- Eine Pflanze mit intensivem Duft reicht aus – aber welche funktioniert wirklich?
- Wespen und Fliegen meiden bestimmte Duftstoffe: Der Grund liegt in der Evolution
- Fünf überraschende Kandidaten für die Fensterbank – einer davon gibt es auch in der Küche zu ernten
Das Geheimnis steckt im Duft
Ob Pflanzen gegen lästige Insekten helfen, hängt im Wesentlichen vom Duft der Pflanzen ab. Klingt simpel, ist es auch. Was unsere Nase als angenehm empfindet, wirkt auf Wespen, Hornissen und Fliegen wie ein Warnsignal. Wer Wespen auf natürliche Weise vertreiben will, sollte Pflanzen aufstellen, deren Blätter ätherische Öle enthalten. Obgleich die Blüten für uns Menschen eine reine Wohltat sind, sehen die Insekten das ganz anders — sie fühlen sich von dem Duft belästigt und suchen meist schnell das Weite.
Der Mechanismus dahinter ist evolutionär: Viele Pflanzen haben ihre Duftstoffe über Jahrmillionen als natürliche Schutzbarriere entwickelt. Für uns Menschen riecht das nach Urlaub oder Kräutergarten. Für ein Insekt mit hochempfindlichen Rezeptoren ist es schlicht unerträglich, wie ein Konzertlautsprecher direkt ans Ohr gehalten.
Lavendel: Die eine Pflanze, die alles verändert
Lavendel duftet intensiv, und Blatt wie Blüte enthalten ätherische Öle. Mücken, Fliegen, Wespen und Motten werden durch Lavendel ferngehalten. Genau diese Pflanze meinen viele, wenn sie von ihrer “Entdeckung” auf der Fensterbank berichten. Auf den großen Lavendelfeldern in der Provence wird man wohl kaum von einer Wespe gestochen, das ist kein Zufall. Auf einer Fensterbank im dritten Stock oder in der Küche funktioniert dasselbe Prinzip, nur im kleineren Maßstab.
Für unsere Nasen mag der Duft des Lavendels angenehm sein, für Wespen gilt genau das Gegenteil, sie meiden diesen intensiven Geruch. Wer die Wirkung maximieren möchte: Die Sorte Lavandula Angustifolia hat den stärksten Duft und ist damit die erste Wahl für die Fensterbank. Kein Dünger, volle Sonne, wenig Gießen. Pflegeleichter geht es kaum.
In einem Topf auf der Fensterbank entfalten Anti-Insekten-Pflanzen ebenfalls ihre Wirkung, man muss also keinen Balkon besitzen, um zu profitieren. Das ist die eigentlich gute Nachricht für alle, die in einer Stadtwohnung leben und sich jedes Jahr im Sommer fragen, warum überhaupt Fliegen durch geschlossene Fenster zu gelangen scheinen.
Fünf weitere Kandidaten für die Fensterbank
Lavendel ist der Klassiker, aber bei weitem nicht die einzige Option. Zitronenmelisse trägt ihren Namen zu Recht: Ihr lieblicher Duft nach Zitrusfrüchten hält Wespen in weiter Ferne, und auch andere Insekten wie Fliegen. Die Pflanze gilt als pflegeleicht und anspruchslos. Wer also nach einem echten Allrounder sucht, liegt hier goldrichtig. Obendrauf lassen sich die Blätter als Tee verwenden, was die Pflanze zu einer der nützlichsten der ganzen Küche macht.
Wespen meiden den mentholhaltigen Geruch der Minze. Daher kann es hilfreich sein, einen Topf Pfefferminze auf dem Balkon oder der Fensterbank aufzustellen. Minze hat allerdings einen kleinen Haken: Sie wächst aggressiv und übernimmt jeden Topf, den man ihr überlässt. Immer alleine pflanzen, sonst verdrängt sie alles andere.
Geranien eignen sich nicht nur wunderbar zur Balkongestaltung, sondern sind aufgrund ihres intensiven Geruchs auch ein wahres Mittel, um Wespen natürlich zu vertreiben. Die Duftgeranien können nach Zitronen, Orangen, Pfefferminze, Weihrauch oder sogar Cola riechen. Duftgeranien sind besonders empfehlenswert, da sie blühen, dekorieren und gleichzeitig schützen. Drei Fliegen mit einer Klappe, sozusagen.
Zitronengras ist eine dankbare Pflanze, die auch längere Durststrecken gut durchsteht und Wespen, Mücken und die meisten anderen Insekten abschreckt. Das liegt am hohen Citronella-Gehalt in der Pflanze, der ein natürlicher Insektenschutz ist und unter anderem auch in Anti-Mücken-Kerzen eingesetzt wird. Zitronengras auf der Fensterbank ist im Grunde eine Duftkerze, die nie aufhört zu brennen.
Und dann ist da noch Basilikum. Basilikum duftet angenehm nach ätherischen Ölen und ist ein beliebtes Küchenkraut : Wespen mögen den Geruch allerdings nicht. Das Kraut verströmt mit seinen ätherischen Ölen einen Duft, den Insekten nicht ausstehen können. Wer im Sommer ohnehin Basilikum für Pasta oder Caprese auf der Fensterbank stehen hat, schlägt also zwei Fliegen mit einer Klappe.
Richtig aufstellen, um die volle Wirkung zu erzielen
Um die Wirkung der Pflanzen zu verstärken, ist eine strategische Platzierung wichtig. Die Pflanzen sollten in der Nähe der Fenster oder Balkontüren aufgestellt werden, damit der Duft optimal umherweht, diese “Duftschneise” macht den Bereich für Wespen weniger attraktiv. Das ist der Punkt, den viele unterschätzen: Eine Pflanze mitten im Wohnzimmer auf dem Boden bringt weniger als dieselbe Pflanze direkt am geöffneten Fenster, wo der Wind den Duft nach außen trägt.
Ein weiterer Kniff: Nur durch Reiben oder Zerkleinern der Blätter werden große Mengen an wirksamen Duftstoffen freigesetzt. Aber auch durch Wind oder einfache Berührung werden geringere Mengen abgegeben, so dass Pflanzen dauerhaft wirken können. Wer also an seinem Lavendel oder seiner Zitronenmelisse gelegentlich streicht, aktiviert den Schutz neu. Fast wie eine Fernbedienung, nur grüner.
Wer auf Nummer sicher gehen möchte, kombiniert mehrere Pflanzen. Rosmarin und Lavendel ergänzen sich zum Beispiel besonders gut: Die beiden Düfte verstärken sich gegenseitig und erzeugen eine noch wirksamere Barriere gegen Wespen. Auf einer Fensterbank, auf der Lavendel, Zitronenmelisse und ein kleiner Rosmarinbusch nebeneinander stehen, wird es im Sommer sehr ruhig bleiben, ganz ohne Summen.
Die eigentliche Frage ist vielleicht eine andere: Warum greifen wir überhaupt noch zu chemischen Sprays oder klebrigen Fliegenfallen, wenn ein Topf für drei Euro am nächsten Gartencenter dieselbe Arbeit erledigt, und dabei die Küche schmückt, nach Sommer riecht und obendrein noch geerntet werden kann? Pflanzen als Insektenschutz sind kein Geheimwissen. Sie warten einfach darauf, auf die Fensterbank gestellt zu werden.
Sources : gartencenterleurs.de | tedox.de