Ich hatte mein Pampasgras nur zur Deko ans Südfenster gestellt: Nach wenigen Wochen im Hochsommer verstand ich, was die Sonne mit den Wedeln gemacht hatte

Drei Wochen. Länger hat es nicht gedauert, bis aus meinem cremeweißen Pampasgras-Bund am Südfenster ein fahles, sprödes Etwas wurde, das bei jeder Berührung kleine Fasern verlor wie ein Hund im Fellwechsel. Ich hatte die Wedel dort einfach abgestellt, weil die Vase gut zum Lichteinfall passte. Was ich nicht bedacht hatte: Ausgerechnet der Platz, den ich für die Deko am schönsten fand, war der schlechteste, den ich hätte wählen können.

Pampasgras ist seit Jahren einer der beliebtesten Deko-Trends in deutschen Wohnzimmern, zwischen Boho-Chic und skandinavischem Purismus. Die Deko mit Pampasgras gehört zu den schönsten Retro-Trends, denn schon in den 70ern und 80ern zierte getrocknetes Pampasgras viele Wohnzimmer, heute feiert sie ein Comeback mit skandinavischem Hauch. Genau dieser Hype hatte mich dazu gebracht, mir ein Bündel zuzulegen, ohne mich vorher wirklich mit der Pflege zu beschäftigen. Ein Fehler, wie sich zeigen sollte.

Das Wichtigste

  • Was passiert, wenn man Pampasgras in die pralle Sonne stellt – und warum lebende und getrocknete Gräser komplett unterschiedliche Anforderungen haben
  • Ein simpler Fehler mit großem visuellen Effekt: Wie schnell die schöne Creme-Farbe zu fahlem Grau wird
  • Die Rettungsmittel, die noch etwas retten können – und der beste Standort für lange Freude am Trockenstrauß

Was die Sommersonne mit den Wedeln anstellt

Getrocknete Pflanzenfasern sind im Grunde nichts anderes als totes Pflanzengewebe ohne den natürlichen Schutzmechanismus, den lebende Blätter gegen UV-Strahlung besitzen. Genau das macht sie so anfällig. Stellt man die Gräser in die pralle Sonne, bleicht das die Farbe aus, während ein kühler, trockener Ort die Farbe frisch hält. Bei mir war der Effekt nach wenigen Wochen im Hochsommer unübersehbar: Aus dem warmen Creme-Ton wurde ein stumpfes, fast gräuliches Weiß, und die einzelnen Härchen der Wedel wirkten brüchig statt fluffig.

Andere Anbieter bestätigen genau diese Beobachtung. Bei der Standortwahl sollte man direkte Sonneneinstrahlung vermeiden, um ein Ausbleichen zu verhindern, heißt es unisono in Pflegeratgebern zum Thema. Auch der Hinweis, dass direkte Sonneneinstrahlung die Farbe verblassen lassen kann, taucht in praktisch jeder Anleitung auf, die ich mir danach durchgelesen habe. Ich hatte das ignoriert, weil “ein bisschen Sonne” doch eigentlich immer gut klingt, oder? Bei lebenden Pflanzen stimmt das sogar. Bei totem, konserviertem Pflanzenmaterial ist es das genaue Gegenteil.

Die Ironie an der Sache: Das lebende Pampasgras im Garten kann gar nicht genug Sonne bekommen. Sonne ist dem Amerikanischen Pampasgras besonders wichtig, weshalb es an einen möglichst sonnigen Ort gepflanzt werden sollte, wo vier bis fünf direkte Sonnenstunden am Tag ruhig sein dürfen. Kein Wunder, stammt die Pflanze doch ursprünglich aus wärmeren Gefilden. Die Art kommt ursprünglich aus den tropischen und gemäßigten Zonen Südamerikas und Neuseelands, wo das Klima deutlich wärmer ist als bei uns. Draußen im Beet: Sonnenanbeter. Drinnen als Trockengesteck: Sonnenallergiker. Diesen Widerspruch hatte ich schlicht nicht auf dem Schirm.

So bekam ich die Wedel wieder halbwegs in Form

Ganz retten ließ sich mein Exemplar nicht mehr, aber die Schäden ließen sich zumindest eindämmen. Der erste Schritt war das Ausschütteln der Wedel im Freien, um lose Fasern loszuwerden, gefolgt von vorsichtigem Aufföhnen auf niedrigster Stufe. Staub lässt sich einfach mit einem weichen Pinsel oder einem Föhn auf niedriger Stufe entfernen, regelmäßiges Entstauben reicht dabei völlig aus. Das brachte zumindest etwas Volumen zurück, auch wenn die Farbe natürlich blieb, wie sie war.

Danach griff ich zum altbewährten Hausmittel gegen das Ausfransen: Haarspray. Um die Federwedel zu fixieren und ein starkes Ausfallen der feinen Härchen zu minimieren, empfiehlt es sich, sie nach dem Kauf mit mattem Haarspray oder einem speziellen Fixativ zu besprühen. Wichtig dabei: nicht zu nah heransprühen. Man sollte beim Sprühen mindestens 30 Zentimeter Abstand halten, sodass die Wedel nur von einem feinen Nebel benetzt werden, sonst können die feinen Härchen verkleben. Diese Prozedur wiederholt man am besten alle paar Monate, dann bleibt selbst ein schon leicht ramponiertes Bündel noch einigermaßen präsentabel.

Der richtige Standort macht den Unterschied

Mein zweiter Fehler war die Sonne. Außerdem die Nähe zum Fenster generell, wo im Sommer Hitze und Kondenswasser gleichermaßen ein Problem sein können. Feuchtigkeit ist für getrocknete Gräser sogar noch heimtückischer als Licht. Wer Pampasgras in großer Stückzahl verwendet, sollte auf eine gute Belüftung achten, um Schimmelbildung zu vermeiden. Ein schattiger Flur, ein Regal ohne direkten Lichteinfall oder eine Ecke im Wohnzimmer, die nicht permanent von der Sonne beschienen wird, taugt deutlich besser als jede Fensterbank mit Südausrichtung.

Bei richtiger Standortwahl ist die Investition in ein Pampasgras-Bündel übrigens durchaus lohnend. Getrocknetes Pampasgras hält sich bei der richtigen Pflege mehrere Jahre lang. Das hätte auch meines locker geschafft, wenn ich es nicht direkt in die Vollsonne gestellt hätte. Stattdessen habe ich jetzt ein hübsches, aber merklich blasseres Deko-Element, das mich täglich daran erinnert, wie schnell aus einer guten Absicht ein kleines Fiasko werden kann.

Vielleicht ist genau das die eigentliche Lektion hinter meinem verblichenen Pampasgras: Nicht jede Pflanzendeko funktioniert nach denselben Regeln wie das Original im Garten. Bevor der nächste Trockenstrauß seinen Platz in der Wohnung findet, lohnt sich ein Blick darauf, wie viel Licht dort wirklich ankommt, und ob die Wände zwischendurch mal atmen können.

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