Weiche Blätter am Bogenhanf sind selten ein Zeichen von Durst. Meist faulen die Wurzeln, weil die Erde zu lange nass blieb, und das Blattgewebe gibt nach. Wer jetzt richtig handelt, rettet die Pflanze oft noch, und selbst im schlimmsten Fall wächst aus gesunden Blattstücken neuer Bogenhanf heran.
Solange irgendwo festes Gewebe übrig ist, gibt es Hoffnung.
- Weiche Blattspreiten entstehen meist durch Wurzelfäule, nicht durch Wassermangel.
- Faulige Wurzeln werden komplett entfernt, die Schnittflächen müssen zwei bis drei Tage trocknen.
- Auch völlig verlorene Rhizome lassen sich durch Blattstecklinge in Wasser oder Erde ersetzen.
- Bogenhanf speichert Wasser in den Blättern und verträgt Trockenheit besser als Dauernässe.
Wurzelfäule erkennen, bevor es zu spät ist
Das erste Warnsignal sitzt selten oben im Blatt. Die Triebe wirken schlaff, kippen zur Seite oder lassen sich am Grund eindrücken wie eine überreife Banane, oft mit gelblicher oder glasiger Verfärbung. Dazu kommt manchmal ein modriger Geruch aus dem Topf. Spätestens wenn sich ein Blatt am Ansatz einfach lösen lässt, ist die Fäulnis im Rhizom angekommen.
Auch Kälte macht Blätter weich. Unter etwa 10 Grad leidet der Bogenhanf, schon ein winterlicher Platz an der zugigen Fensterscheibe kann reichen. Ein sehr dunkler Standort schwächt die Pflanze zusätzlich, weil sie dort kaum Wasser verbraucht und die Erde ewig nass bleibt.
Sicher wird die Diagnose erst, wenn du die Pflanze aus dem Topf nimmst. Gesunde Wurzeln sind fest und hell, von Weiß bis Orangegelb. Faulige dagegen sind braun oder schwarz, matschig und streifen sich beim Anfassen vom Strang ab. Bleibt auch nur ein fester Strang, lohnt sich der Aufwand.
Je früher, desto besser.
Der Eingriff: so rettest du die Pflanze
Spül zuerst die nasse Erde vorsichtig ab, damit du siehst, womit du arbeitest. Dann schneidest du alles Faule mit einem scharfen Messer weg, das du vorher mit Alkohol abgewischt hast. Auch am Rhizom, dem dicken unterirdischen Spross, entfernst du braune, weiche Stellen, bis die Schnittfläche hell und fest aussieht. Blätter mit mattschigem Ansatz kommen ebenfalls ab.
Danach darf alles zwei bis drei Tage an der Luft trocknen. Die Schnittflächen sollen eine trockene Haut bilden.
Eingetopft wird in einen kleinen Topf mit Abzugsloch, ruhig kleiner als vorher. Als Substrat taugt Kakteenerde, die du mit Sand, Perlite oder Blähton mischst, damit Wasser sofort abläuft. Gegossen wird frühestens nach einer Woche, dann sehr sparsam.
Jetzt beginnt die Geduldsprobe.
Stehen die Blätter nach vier bis sechs Wochen wieder fest und kommen keine weichen Stellen dazu, hast du es geschafft. Ein heller, warmer Platz um die 20 Grad hilft beim Neuaufbau.
In den ersten Monaten bleibt der Dünger im Schrank, denn die Pflanze hat noch keine Wurzeln, die ihn aufnehmen könnten. Direkte Mittagssonne meidest du zunächst, helles indirektes Licht ist freundlicher. Bleibt ein Blatt trotzdem weich, schneidest du es knapp über der Erde ab.
Wenn nur noch Blätter übrig sind
Ist das Rhizom komplett verloren, werden gesunde Blattstücke zur Rettung. Schneide ein festes Blatt in Stücke von fünf bis acht Zentimetern und markiere die Unterseite, denn nur mit der Basis nach unten bilden sich Wurzeln. Lass die Stücke einige Tage antrocknen, bis die Schnittkanten verschorfen.
Danach gibt es zwei Wege. Im Wasserglas tauchst du das untere Ende ein bis zwei Zentimeter tief ein und wechselst das Wasser regelmäßig. In einer Mischung aus Sand und Kakteenerde steckst du die Stücke ebenso tief und hältst sie nur leicht feucht. Der Wasserweg lässt dich die Wurzeln beobachten, der Erdweg ist robuster gegen Fäulnis.
Ein Haken betrifft gemusterte Sorten. Der gelbe Blattrand der beliebten Laurentii-Form geht bei Blattstecklingen verloren, die Jungpflanzen wachsen einheitlich grün. Wer die Zeichnung behalten will, muss das Rhizom teilen.
Rechne mit Zeit. Bis sich Wurzeln zeigen, vergehen oft sechs bis acht Wochen, bis zum ersten neuen Trieb auch mal mehrere Monate.
Damit die Fäulnis nicht zurückkehrt
Der Bogenhanf stammt aus Westafrika und speichert Wasser in seinen dicken Blättern, ähnlich wie ein Wanderer die Flasche im Rucksack trägt. Drei Wochen Vergessen verzeiht er deshalb leichter als drei Tage Dauernässe. Im Sommer reicht meist Gießen alle zwei bis drei Wochen, im Winter genügt oft einmal im Monat oder noch seltener.
Vor jedem Gießen steckst du den Finger fünf Zentimeter tief in die Erde, und wenn sie noch feucht ist, wartest du. Übertopf und Untersetzer leerst du nach einer Viertelstunde, denn stehendes Wasser ist der häufigste Auslöser für Fäulnis.
Vielleicht liegt darin die Lehre dieser Pflanze: Sie belohnt Vernachlässigung und straft übertriebene Fürsorge. Wie viele Zimmerpflanzen gehen wohl jedes Jahr an zu viel Liebe zugrunde statt an zu wenig? Beim nächsten Griff zur Gießkanne lohnt sich deshalb eine kurze Pause.