Rollen sich die Blätter am Abend ein und öffnen sich am Morgen wieder, ist alles in Ordnung. Bleiben sie tagsüber eingerollt, schlägt die Pflanze Alarm. Der Zeitpunkt verrät meist schon die Ursache.
Ein Blick auf die Uhr hilft mehr als jeder Dünger.
- Nächtliches Blätterrollen ist eine normale Nyktinastie und kein Grund zur Besorgnis.
- Trockene Heizungsluft unter 50 Prozent Feuchte lässt Blätter tagsüber einrollen.
- Ein durchgetrockneter oder übergossener Wurzelballen führt zu Trockenstress-Symptomen.
- Spinnmilben und direkte Sonneneinstrahlung können ebenfalls Blätterrollen auslösen.
Die Nachtbewegung: Programm statt Problem
Am Grund jedes Blattstiels sitzt bei der Calathea (botanisch inzwischen oft Goeppertia genannt) ein Gelenkpolster, der Pulvinus. Er verändert mit dem Licht seinen Wasserdruck, und schon heben sich die Blätter abends und senken sich morgens. Fachleute sprechen von Nyktinastie. Je nach Art wirkt das wie ein sanftes Aufrichten oder wie ein leichtes Zusammenklappen, bei der nahen Verwandten Maranta sieht es aus, als würde sie die Hände zum Gebet falten.
Schon Carl von Linné beschrieb 1751 den „Schlaf der Pflanzen“. Er war so davon fasziniert, dass er daraus die Idee einer Blumenuhr entwickelte.
Wichtig ist die Rückkehr: Spätestens ein, zwei Stunden nach dem Aufstehen der Pflanze sollten die Blätter wieder flach und offen liegen. Tun sie das, gibt es nichts zu tun. Selbst ein Standortwechsel, etwa nach dem Kauf, bringt die innere Uhr oft für ein paar Tage durcheinander.
Heizungsluft: der Herbstklassiker
Seit Anfang Oktober laufen in vielen Wohnungen die Heizkörper wieder an, und genau jetzt häufen sich die Meldungen von krausen Calathea-Blättern. Die Pflanzen stammen aus den Regenwäldern Südamerikas, wo die Luft meist weit über 60 Prozent Feuchte trägt.
Erwärmt sich Luft um zehn Grad, sinkt ihre relative Feuchte etwa um die Hälfte.
Ein Wohnraum mit 22 Grad kommt im Winter dadurch leicht auf 30 bis 40 Prozent. Calathea fühlen sich ab etwa 50, besser bei 60 Prozent wohl. Die dünnen Blätter verdunsten dann schneller Wasser, als die Wurzeln nachliefern können, und rollen sich längs ein, um weniger Fläche zu bieten. Trockene, braune Blattränder sind das zweite Warnsignal, das dazugehört.
Ein einfaches Hygrometer zeigt, woran Sie sind, und kostet kaum etwas. Mehrere Pflanzen in einer Gruppe, ein Luftbefeuchter oder ein helles Badezimmer mit Fenster bringen mehr als die oft empfohlene Kiesschale, die kaum messbar wirkt. Zugluft und ein Platz direkt über dem Heizkörper sind dagegen tabu.
Trockenstress: wenn der Wurzelballen leer ist
Rollt sich das Blatt mitten am Tag ein, obwohl die Luftfeuchte passabel ist, lohnt der Fingertest. Die oberste Erdschicht darf antrocknen, darunter sollte das Substrat gleichmäßig leicht feucht bleiben. Ein komplett durchgetrockneter Ballen, der vom Topfrand schrumpft, ist für Calathea schon zu viel.
Auch die Wasserqualität spielt mit. Kalk und Fluorid aus dem Hahn führen zu braunen Spitzen, weshalb Regenwasser oder abgestandenes, gefiltertes Wasser die bessere Wahl sind. Gegossen wird zimmerwarm, denn kaltes Leitungswasser setzt den Wurzeln zu.
Zu viel Wasser sieht von außen übrigens genauso aus.
Faulende Wurzeln können kein Wasser mehr aufnehmen, das Blatt rollt sich also ein, obwohl die Erde nass ist. Wirkt der Topf dauerhaft schwer, riecht die Erde muffig und hängen die Blätter schlaff, hilft nur das Austopfen. Faule, braune Wurzeln werden abgeschnitten, frisches, durchlässiges Substrat kommt in einen Topf mit Abzugsloch. Überschüssiges Wasser im Untersetzer gehört nach einer Viertelstunde weg.
Wenn weder Uhr noch Gießkanne die Antwort liefern
Spinnmilben lieben trockene Heizungsluft genauso wie die Calathea sie hasst. Feine Gespinste an den Blattunterseiten und winzige helle Punkte auf der Oberseite verraten sie. Duschen Sie die Pflanze dann gründlich ab und wiederholen Sie das mehrmals im Abstand weniger Tage.
Auch das Licht kann der Auslöser sein. Direkte Sonne, selbst nur eine Stunde am Südfenster, lässt die Blätter ausbleichen und sich einrollen. Ein heller Platz ohne Sonnenstrahlen, etwa einen Meter vom Fenster entfernt oder hinter einem Vorhang, passt besser zu einer Pflanze, die im Unterwuchs des Waldes groß geworden ist.
Vielleicht ist das Einrollen weniger ein Defekt als ein Messgerät, das in Echtzeit zeigt, wie trocken Ihre Wohnluft wirklich ist. Wann haben Sie zuletzt nachgeschaut, was Ihr Wohnzimmer tatsächlich an Feuchte hergibt?