Jahrelang war mein Kamin Wärmequelle. Außerdem heimlicher Düngerlieferant. Jedes Mal, wenn ich die Asche herausgekehrt hatte, wanderte ein guter Teil davon zu meinen Zimmerpflanzen. Das schien doch logisch: organisches Material, reich an Mineralien, gratis und nachhaltig. Was könnte schiefgehen? Ziemlich viel, wie sich herausstellte.
Das Wichtigste
- Holzasche hat einen pH-Wert von 11–13 und wirkt wie Lauge auf Pflanzen – doch viele Gärtner wissen das nicht
- Es gibt nur genau zwei Situationen, in denen Asche hilft – und die meisten Zimmerpflanzen gehören nicht dazu
- Ein einfacher pH-Test hätte mir Jahre voller gut gemeinter Schäden erspart
Was steckt wirklich in der Asche?
Holzasche besteht zu bis zu 45 Prozent aus Calcium oder Calciumoxid, dem sogenannten Branntkalk. Daneben enthält sie Magnesium, Phosphorpentoxid und Kalium. Klingt nach einem ordentlichen Nährstoffpaket, oder? Das Problem liegt nicht in dem, was drin ist, sondern in dem, was diese Mischung mit dem Boden anstellt.
Asche reagiert mit einem pH-Wert zwischen elf und 13 stark alkalisch, was bei einer zu großen Menge dazu führt, dass der Boden seine natürlichen Bedingungen verliert und damit Mikroorganismen und Pflanzenbewuchs geschädigt werden. Zum Vergleich: Leitungswasser hat einen pH-Wert von etwa 7, Zitronensaft von etwa 2. Ein pH-Wert von 12 entspricht ungefähr dem einer Haushaltslauge. Genau diese Substanz habe ich jahrelang auf die empfindlichen Wurzeln meiner Zimmerpflanzen gestreut.
Holzasche als Dünger wirkt stark basisch. Zusammen mit Wasser bildet frische Asche eine Lauge und kann Pflanzen verätzen und Bodenorganismen abtöten. Meine Monstera, die sich trotzdem tapfer gehalten hat, hat das vermutlich weniger meiner Gärtnerei als ihrer eigenen Widerstandsfähigkeit zu verdanken.